Die Mumins

2. August 2009 um 12:41 | Veröffentlicht in Film, Literatur, Persönlichkeiten | Hinterlasse einen Kommentar

„Ach, die kommen aus Finnland?!“, stellte schon so mancher erstaunt fest, als er nach Jahren die Figuren seiner Kindheit wieder traf. Spätestens wenn man den Flughafen Helsinki-Vantaa betritt, kann man es gar nicht mehr übersehen. An jeder Ecke begrüßen einen die von der finnlandschwedischen Schriftstellerin Tove Jansson erschaffenen Trolle.

Wer mit dem Begriff „Mumin“ (fin. Muumi, engl. Moomin) so spontan gar nichts anfangen kann, erhält vielleicht ein Aha-Erlebnis, wenn er einmal ein Bild betrachtet.

Dass hinter den niedlichen Trollwesen tatsächlich noch viel mehr steckt als ein Werbeprodukt der finnischen Tourismusbranche und eine Zeichentrickserie, soll in den nächsten Zeilen beleuchtet werden.

Zuerst einmal ein paar Informationen über die Mumintrolle an sich, um die eventuell vorhandene Erinnerung aus der Kindheit etwas aufzufrischen. Die Mumins sind circa 50 cm große, empfindsame und sanfte Wesen mit weichem, hellem Fell und einem Trollschweif. Sie unterscheiden sich somit von den aus der nordischen Mythologie bekannten Trollwesen. Die wichtigsten Figuren sind Mumintroll, der mit Muminmama (mit Schürze und Handtasche) und Muminpapa (mit Zylinder) im Muminhaus lebt. Zeitweise leben dort auch Schnüferl als eine Art Adoptivbruder, Mumins Freundin Snorkfräulein (mit Haarpony und Fußreif) und der freiheitsliebende Schnupferich/Snufkin. Außerdem gibt es die stets durch freche Sprüche auffallende kleine My. Die Namen wurden je nach Übersetzer unterschiedlich ins Deutsche übertragen.

Die Welt der Mumins ist das Mumintal, eine Gegend irgendwo in Finnland an der Schärenküste. Tove Janssons Vorbild hierfür war eine Kindheitserinnerung an das Anwesen ihrer Verwandten in den Stockholmer Schären.

Tove Jansson war eine finnlandschwedische Schriftstellerin, das heißt ihre Muttersprache war Schwedisch und in dieser Sprache hat sie auch ihre Bücher verfasst. Sie ist am 9. August 1914 in Helsinki geboren und am 27. Juni 2001 am gleichen Ort gestorben. Sie stammte aus einem künstlerisch geprägten Haushalt und veröffentlichte schon im jugendlichen Alter Illustrationen. Tove Jansson strebte weniger große Berühmtheit an, als sich zurückgezogen, im engsten Kreise der Familie, in Ruhe ihrem künstlerischen Schaffen zu widmen. Daher widersetzte sie sich auch sehr lange der Kommerzialisierung ihrer Muminwesen und stand vielen Umsetzungen kritisch gegenüber.

Von 1945 bis 1970 erschienen neun Muminbücher. 1954 kamen diese erst nach Deutschland, allerdings wurden die ersten zwei noch viel später übersetzt. Ein Experte der skandinavischen Literatur äußerte die Ansicht, dass diese zwei Werke nicht so lesenswert seien wie die folgenden. Hierzu sollte wohl jeder sein eigenes Urteil bilden. ;) Der Titel des ersten Buches lautet „Mumins lange Reise“ („Småtrollen och den stora översvämningen“, 1945), der des dritten Buches „Die Mumins. Eine drollige Gesellschaft“ („Trollkarlens hatt“, 1948). In jedem Fall lohnt es sich, die Geschichten zu lesen. Für des Schwedischen Mächtige auch unbedingt im Original. Ein Versuch lohnt meiner Einschätzung nach ab dem ersten Lernjahr.

Die ersten fünf Bücher werden allgemein als Kinderbücher angesehen. Die folgenden beschäftigen sich immer stärker mit dem Innenleben der Figuren. Ein häufiges Motiv ist das Auftauchen einer äußeren Bedrohung, die überstanden wird.

Neben diesen Büchern gibt es auch lange Zeit in Vergessenheit geratene Comics. Tove Jansson schrieb diese ab 1954 für die London Evening News des britischen Zeitungssysndikats Associated Newspaper. Später übergab sie diese Arbeit an ihren Bruder Lars. Einige Comics sind hier zu finden.

Die Comics unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von den Büchern. Sie behandeln eher aktuelle Themen und eröffnen zudem viele Details über die Charakterzüge der Mumintrolle. Teilweise gibt es Widersprüche zu den Büchern.

Hiernach wurde der Muminstoff immer wieder neu verwertet. In den 60er Jahren wurde er von der Augsburger Puppenkiste aufgegriffen, in den 70er und 80er Jahren folgte eine Polnisch-österreichische Puppentrickserie (komplett auf DVD erschienen). Am bekanntesten ist allerdings wohl die japanische Muminproduktion im Anime-Stil. Es gab drei verschiedene Serien, die erste aus dem Jahr 1969, die zweite von 1972, hierzulande bekannt ist aber wohl nur die aus den 90er Jahren. Die Trolle und ihre Welt wurden – typisch Anime – stark verniedlicht dargestellt. Tove Janssons Begeisterung weckte dies nicht, auch weil die Geschichten abgewandelt wurden.

Wer Originalillustrationen von Tove Jansson bewundern möchte, sollte einmal einen Ausflug nach Tampere machen. Dort gibt es seit 1987 ein Mumin-Museum, in dem viele Zeichnungen und Skulpturen gezeigt werden. Wer es kommerzieller mag, sollte nach Naantali in den Mumin-Freizeitpark fahren.

Besonders beachtenswerte und erfolgreiche Kommerzprodukte sind die Mumin-Briefmarken, welche die finnische Post alle paar Jahre herausgibt und die Geschirrgarnitur der finnischen Design-Firma Arabia. Darüber hinaus gibt es noch unzählige weitere Produkte, die von den Mumintrollen – meist leider in niedlicher japanischer Version – geschmückt werden.

Quellen:

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