Nationalfeiertag

6. Dezember 2009 um 12:36 | Veröffentlicht in Geschichte, Kultur, Persönlichkeiten | Hinterlasse einen Kommentar
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Vor nun 92 Jahren erlangte Finnland Unabhängigkeit von Russland, dessen Großfürstentum  das Land gewesen war. Am 6. Dezember 1917 verabschiedete das Parlament eine Unabhängigkeitserklärung. Diese wurde am 31. Dezember des gleichen Jahres bei einem Treffen zwischen damaligem Senatspräsidenten Svinhufvud und Lenin in Petrograd förmlich anerkannt. Viele  Europäische Länger, so wie Deutschland und die skandinavischen Länder, folgten kurz darauf mit der Anerkennung von Finnlands Souveränität. Nur Großbritannien und die Vereinigten Staaten warteten noch bis 1920 die Unabhängigkeit rechtlich anzuerkennen. Der erste Präsident der jungen Republik wurde 1919 Kaarlo Juho Stålberg.

Der 6. Dezember wird seit einigen Jahrzehnten als Finnlands Nationalfeiertag begangen. Das Fest ist sehr patriotisch geprägt. Es gibt Empfänge, Paraden, Fackelzüge der Studenten und Festtagsgottesdienste. Es ist Brauch, an diesem Tag zwei Kerzen ins Fenster zu stellen.

Mit großer medialer Aufmerksamkeit wird der alljährliche Ball im Palais der Präsidentin verfolgt. Zwischen 1600 und 2000 Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Sport werden dort empfangen. Im Vorfeld gab es aufgrund der allgemeinen Schweinegrippe-Hysterie Diskussionen darüber, ob der Ball ein zu großes Risiko darstelle. Die Veranstaltung findet aber wie gewohnt statt. Die Feierlichkeiten werden im Fernsehn wie im Internet von vielen Zuschauern live mitverfolgt.

Die Präsidentin beim Empfang

Grüße der Präsidentin zum Unabhängigkeitstag

6. Dezember 2009 um 11:05 | Veröffentlicht in Kultur, Persönlichkeiten | Hinterlasse einen Kommentar
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Independence Day greetings from the President of the Republic of Finland to expatriate Finnish communities, 6 December 2009

Finland is part of a globalising world. We are a Member State of the European Union and are actively involved in international organisations such as the United Nations. Our economy and civil society organisations have also become increasingly international.

More Finns are moving from one country to another. Living abroad for a longer or shorter period is increasingly part of people’s lives. Some leave Finland or come to Finland for work, studies or retirement. People move from one country to another in every stage of life.

You, Finns living abroad, perform important work as ambassadors for Finland and Finnish culture. You play a key role in shaping the image that Finland has in your current living environment. You actively keep in touch with Finland and share your experiences from abroad with us. The work you do abroad and the networks you have created are invaluable. It is important for Finland that your ties to your home country remain strong.

I send you my warmest greetings on the 92nd anniversary of Finland’s independence.

Tarja Halonen
President of the Republic

Quelle: www.presidentti.fi

Wintersport in Finnland

22. November 2009 um 13:50 | Veröffentlicht in Geschichte, Sport | Hinterlasse einen Kommentar
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Es ist wieder so weit: Wintersportsaison! Ganz vorne mit dabei ist natürlich auch Finnland. Wohl aufgrund seiner nördlichen Lage dürfen finnische Städte früh zu Beginn und dann wieder gegen Ende Gastgeber sein. Als nächstes kann man das Städtchen Kuusamo, bzw. das dort gelegene Wintersportzentrum Ruka im Fernsehen begutachten. Hier findet seit 2002 der Weltcup-Auftakt im Skispringen (fin.: mäkihyppy), Skilanglauf (fin.: maastohiihto) und in der Nordischen Kombination (fin.: yhdistetty kilpailu) statt. In diesem Jahr ist das vom 26. – 29. November. Das genaue Programm findet sich hier: www.nordicopening.com

Kuusamo liegt in der Provinz Oulun Lääni, 100 km südlich vom Polarkreis und nahe der Grenze zu Russland. Das Gebiet ist eins der schneereichsten Finnlands. Die erste Piste von Ruka wurde im Jahr 1954 eingeweiht. Der erste Skilift folgte 1957. Dieser Lift war 310 Meter lang und brauchte pro Strecke eine Minute und 20 Sekunden. 80-90 Wintersportler konnten so in einer Stunde befördert werden.

Etwas weiter südlich, bei der Stadt Kuopio,  befindet sich ein weiteres großes Wintersportgebiet: Puijo. Der Hügel ist gut zu erkennen am großen Aussichtsturm, von dem aus man die schöne Seenlandschaft rundherum bewundern (und besonders gut fotografieren) kann. Auf, bei und um Puijo gibt es mehrere Skisprungschanzen, zwei Skipisten und ein weites Loipennetz. Ganz mutige Skisprungfans haben die Möglichkeit unter Anleitung von einem Trainer selbst einmal auf einer kleinen Schanze einen Sprung zu wagen.

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Skisprung hat eine lange Tradition in Kuopio. Der erste Skisprungwettkampf fand bereits 1886 statt. Die erste richtige Schanze wurde im Jahr 1901 gebaut. 1949 wurde die erste große Schanze gebaut. Sie war aus Holz und der erste Rekord auf ihr betrug 86 Meter. Später wurde auch die 100 Meter Marke geknackt. In den 70er Jahren bekam diese Schanze einen „Plastik-Überzug“, sodass man ab nun auch im Sommer trainieren konnte. Der erste Weltcup fand im Jahr 1995 in Puijo statt, weil es in diesem Jahr sehr warm war und es in Mitteleuropa zu wenig Schnee gab, um irgendwelche Skisportwettkämpfe zu veranstalten. Der nächste Weltcup ist am 8. und 9. März 2010 in Puijo. Das genaue Programm ist hier zu finden: imanager.ip-finland.com/puijon_hiihtoseura

Ein drittes großes Skisportgebiet Finnlands befindet sich in Lahti. Die Stadt liegt nur 100 km nördlich von Helsinki und ist vermutlich aufgrund dieser sehr leichten Erreichbarkeit besonders bekannt und beliebt bei internationalen Gästen. Skispiele in Lahti gehen auf das Jahr 1923 zurück. Ein Herr Lauri Pihkala hatte damals die Idee, Lahti als Skisportort zu etablieren, weil die Stadt recht zentral liegt und die Landschaft vielfältige Möglichkeiten bietet. Die ersten großen Winterspiele fanden schon bald darauf, im Jahr 1926, unter dem Namen Kongress Games statt. 15 Nationen fanden damals ihren Weg nach Lahti und das Gebiet gewann größere Bekanntheit, die seit dem – mit Unterbrechung durch den Krieg – stetig zunahm.

In Lahti gibt es nahe der Skisportzentrums für theoretisch Interessierte ein Skimuseum, wo man unter anderem einen Skisprungsimulator ausprobieren kann. Eine raffinierte Idee ist zudem, dass das Skistadion im Sommer zu einem Schwimmbad umgebaut wird. Das heißt Schwimmen am Fuße der Skisprungschanzen.

Der nächste Weltcup in Lahti findet vom 4. März bis zum 7. März 2010 statt. Das Programm gibt es auf dieser Seite: lahtiskigames.com

Quellen: http://www.skispringen.com , lahtiskigames.com, puijon hiihto seura, www.nordicopening.com

Pilotenstreik bei Finnair

16. November 2009 um 14:33 | Veröffentlicht in Nachrichten aus Finnland | Hinterlasse einen Kommentar
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Heute begann der Pilotenstreik bei Finnair. Alle heutigen Finnairflüge wurden daher gecancelled. Tausende von Reisenden sind hiervon betroffen. Finnair sagt, der Streik sei ein schwerer finanzieller Schlag, aber die Piloten äußern, dass sie ihren Standpunkt bezüglich der Produktionsverlagerung nicht bewegen werden. Es wird gehofft, dass die zwei Parteien Anfang dieser Woche wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren werden.

Obwohl der Streik offiziell um Mitternacht begann, waren Betriebsstörungen bei Finnairflügen bereits Sonntag sichtbar. Alle europäischen und einheimischen Flüge von Helsinki mit einem planmäßigen Rückflug am Montag wurden gecancelled, ebenso wie fast alle Langstreckenflüge.

Taneli Hassinen, Finnairs Kommunikationsleiter, legt die finanziellen Probleme dar, die der Streik der Fluggesellschaft bereiten wird: Er sagt tägliche Verluste von 2,5 bis 5 Millionen Euro voraus, die zusätzlich zu den bereits bekannt gegebenen Verlusten 140 Millionen Euro kommen.

“Dies ist keine Angelegenheit von Geld oder Pensionierungsalter”, sagt Kristian Rintala, Präsident des Verbandes finnischer Piloten. Er fügt hinzu, dass Finnair mit dem Einsatz von ausgegliedertem Personal bei seinen eigenen Flügen begonnen hätte, auch wenn der Streik nicht begonnen hätte.

Quelle: www.yle.fi

Helsinki richtet- vielleicht – die Leichtathletik-Europameisterschaft 2012 aus

10. November 2009 um 16:24 | Veröffentlicht in Kultur, Nachrichten aus Finnland, Sport | Hinterlasse einen Kommentar
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Helsinki hat eine Ausschreibung gewonnen, die Leichtathletik-Europameisterschaft 2012 zu beherbergen. Die Pläne könnten jedoch aufgrund von Unsicherheiten bezüglich der Ausstrahlung vereitelt werden.

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Die einstimmige Entscheidung wurde vom European Athletics Council Montag Nachmittag getroffen. Sie ist aber abhängig davon, ob eine Lösung gefunden wird, wer die Kosten für die Ausstrahlung tragen wird.

YLE, die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Finnlands, hat geäußert, dass es das Event für die Ausstrahlung produzieren würde, so lange es nicht die Rechnung hierzu aus eigener Tasche bezahlen müsse.

Finnland hat noch Zeit bis zum 15. Dezember, um eine Lösung für das Problem zu finden. Andernfalls riskiert das Land die Spiele wieder zu verlieren. Die European Athletics Association, welche die Übertragungsrechte besitzt, unterhält nun Gespräche mit der European Broadcasting Union, um eine Lösung zu finden.

Helsinki hat bisher zwei Mal die Leichtathletik-Europameisterschaft beherbergt: 1971 und 1994.

Quelle: www.yle.fi

Lustige finnische Grammatik 1: Die Infinitive

8. November 2009 um 12:47 | Veröffentlicht in Sprache | 4 Kommentare
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Dass die finnische Sprache für uns Indoeuropäer recht komplex aufgebaut ist – mit vielen Kasus und so – ist wohl recht weit verbreitet. Wenn man sich etwas tiefer mit der Sprache beschäftigt, stößt man bald auf noch irritierendere Teilaspekte, für die man seinen Lehrer bzw. sein Lehrbuch erst mal perplex anstarren möchte. Ein paar davon werde ich in Zukunft vorstellen. Heute geht es los mit den vielen Infinitiven und all den lustigen, komplexen Dingen, die man mit ihnen innerhalb eines Wortes ausdrücken kann. Falls ich aus meinem linguistischen Luftschloss heraus Ausdrücke verwende, die kein Mensch versteht, so beschweret euch bitte.

Die vielen Infinitive des Finnischen

Das finnische Verb gibt sich nicht wie das deutsche mit nur einem Infinitiv zufrieden – es hat gleich vier. (Solche Einteilungen sind je nach Grammatiker unterschiedlich. Ich halte mich hier an Eva Buchholz)

Der sog. 1. Infinitiv entspricht erst einmal ganz langweilig dem deutschen „normalen“ Infinitiv (laulaa – singen). Man kann aus ihm aber noch etwas Spannendes basteln, indem man ein -kse und ein Possessivsuffix anhängt (laulaakseni). So lässt sich eine um-zu-Konstruktion oder eine eingeschränkte Wahrnehmung (soweit ich weiß, soweit ich sehe, …) ausdrücken.

Der 2. Infinitiv hat kein -a- mehr am Ende sondern ein -e-. Dort kann man nun zwei bestimmte Kasusendungen (ja das, was sonst vor allem an Nomen kommt) anhängen und so entweder eine Temporalkonstruktion (laulaessani – als/während ich sang) oder eine Modalkonstruktion, also die Art und Weise einer Handlung, (laulaen – singend) ausdrücken. Sehr platzsparend. Im Deutschen braucht man dafür meistens gleich einen ganzen Nebensatz.

Der 3. Infinitiv lässt sich durch ein -ma- erkennen, an das noch eine Kasusendung angehängt wird. Das kann zum Beispiel einer der drei äußeren Lokalkasus sein. Mit dem „innen-drinnen-Kasus“ Inessiv (-ssa/-ssä) kann man eine Handlung beschreiben, die gerade passiert, und das Verb neben oder anstelle einer Ortsangabe einsetzen (laulamassa – beim Singen). Beim „von-innen-weg-Kasus“ Elativ geht das analog mit der Bedeutung „woher“ (laulamasta – vom Singen). Es ergibt ja auch ein bisschen Sinn, gerade diese Kasus zu gebrauchen. Aus indoeuropäischer Sicht etwas weniger sinnhaftig ist, dass einige abstrakte, eine Handlung abwendende Verben, so wie „verbieten“ auch nach dem 3. Infinitiv mit Elativ verlangen: Isä kieltää lasta laulamasta – Der Vater verbietet dem Kind das Singen. Der dritte Kasus in der Runde ist der „in-hinein-Kasus“ Illativ. Damit kann eine Bewegung irgendwohin ausgedrückt werden (laulamaan – zum Singen). Es gibt aber auch – wie schon beim Elativ – einige abstrakte, dynamische Verben, die mit Illativ stehen wollen. Außerdem gibt es Konstruktionen mit Adjektiven, wo das notwendig ist: Olen huono laulamaan – Ich bin ein schlechter Sänger. Aber das soll nun nicht in seiner ganzen, verwirrenden Tiefe analysiert werden. Denn es gibt ja noch einige lustigere Dinge, die man mit dem dritten Infinitiv ausdrücken kann.

So kann man sagen, dass man etwas tut, indem man etwas Bestimmtes tut  (mit dem Kasus Adessiv) oder ohne etwas Bestimmtes zu tun (mit dem Kasus Abessiv). Maria oppii suomea laulamalla – Maria lernte Finnisch durch Singen. (Wie auch immer sie das geschafft hat… Es ist ja nur ein Beispiel). Im „ohne-zu“ Fall fällt mir erst recht kein sinnvolles Beispiel mit dem Verb „laulaa“ ein. Also eben ein sinnloses: Maria oppii suomea laulamatta. – Maria lernte Finnisch ohne zu singen.

Durch Anhängen von -maisilla- und einem Possessivsuffix kann man ausdrücken, dass eine Handlung fast durchgeführt wird oder vielleicht auch nicht: Isä oli laulamaisillaan mukana jokaisessa laulussa – Der Vater war nahe dabei, in jedem Lied mitzusingen.

War das letzte Beispiel schon eher ungebräuchliches Finnisch, folgt nun mit dem 4. Infinitiv eine Ausdrucksform, die man wirklich so gut wie gar nicht mehr antrifft. Dieser Infinitiv wird mit dem Verb olla (sein) verwendet und drückt „müssen“ oder „nicht sollen“ aus. Er sieht dabei aus wie eine Substantivierung. Ein Beispielsatz mit laulaa fällt mir hier beim besten Willen nicht ein. Daher ein anderes Beispiel: Tänne ei ole tulemista – Hierher soll man nicht kommen.

Und hiermit endet unsere Reise durch die bunte Welt der finnischen Infinitive. Bald geht es weiter zu Kasus, die aussehen wie andere Kasus, Sätzen ohne Subjekt und den schillernden Verwendungsmöglichkeiten des Partitivs.

Quelle: Buchholz, Eva: Grammatik der finnischen Sprache. Bremen: Hempen Verlag, 2004.

Morgen Fennistik Symposium an der Universität zu Köln

5. November 2009 um 10:45 | Veröffentlicht in Termine | Hinterlasse einen Kommentar
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Zur Erinnerung möchten wir noch einmal auf das Symposium “1809 – Vom Ende und Anfang der finnisch-schwedischen Beziehungen” hinweisen, das Morgen, am 6.11. an der Universität zu Köln stattfinden wird. Es werden sich dort einige internationale Größen aus der Fennistik tummeln.

Hier die Beschreibung der Veranstalter selbst:

“Im Jahr 2009 jährt sich die Auflösung des jahrhundertelangen schwedisch-fin­ni­schen Reichsverbandes 1809 und die Errichtung des autonomen Groß­fürsten­tums Finnland. Damit werde Finnland, so verkündete der russische Zar Alexander I. 1809 auf dem Landtag von Borgå/Porvoo, “placée désormais au rang des nations”. Tatsächlich gilt die Zeit zwischen 1809 und 1917 als zentrale Phase des finnischen nation building.

Das Institut für Skandinavistik/Fennistik, derzeit in der Bundesrepublik Deutsch­land das einzige mit besetzten Lehrstühlen sowohl in der Fennistik als auch Skan­di­na­­vistik, möchte aus diesem Anlaß am 6. November 2009 zu einem eintägigen Symposium nach Köln einladen. Das Thema dieses Symposiums – “1809 – vom Ende und Anfang der finnisch-schwedischen Beziehungen” – soll markieren, daß nicht so sehr der vieluntersuchte finnische und schwedische Nationalisierungs­prozeß nach 1809 fokussiert werden soll, sondern das Jahr 1809 vielmehr aus ge­schichts‑, sprach‑ und literaturgeschichtlicher Perspektive als Anfang fin­nisch-schwedischer Beziehungen im eigentlichen Sinne gesehen werden sollte. Damit ver­knüpft ist auch die Fra­ge nach den kulturellen Beziehungen vor 1809 jenseits einer nationalorien­tierten Historiographie.

Prinzipielle Konferenzsprachen sind Deutsch, Englisch und Schwedisch. Wegen fehlender Dolmetscherkapazitäten und aus Rücksicht auf das fachfremde sowie das studentische Publikum werden Deutsch und Englisch präferiert.”

Quelle: http://skanfen.phil-fak.uni-koeln.de/

Dort findet sich auch das genaue Programm sowie eine Anfahrtsbeschreibung.

Geschichte der Kaffee-Weltmeister

4. November 2009 um 19:42 | Veröffentlicht in Essen, Geschichte, Kultur | Hinterlasse einen Kommentar
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Finnland ist ein Land vieler Rekorde und auch für Besucher schnell ersichtlich ist die Liebe zum Kaffee. Laut Statistik ist Finnland das Land mit dem höchsten Kaffeekonsum pro Kopf: An die fünf Tassen des bitteren Getränks verdrückt ein Finne statistisch pro Tag.

Kaffee war nicht immer so leicht zu bekommen und sein Genuss hatte auch nicht grundsätzlich bei jedem so ein hohes Ansehen. Anfang des 18. Jahrhunderts fand er seinen Weg nach Finnland, allerdings zuerst in die Städte und höheren Sozialschichten. 1756 wurde sein Genuss dann aber erst mal im gesamten Schwedischen Reich (wozu Finnland gehörte) verboten – daran hat sich bloß kaum jemand gehalten. Ganze vier Mal hat man in Finnlands Zeit als Teil des Schwedischen Reichs (also bis 1809) den Kaffee verboten oder den Konsum mit hohen Steuern einzudämmen versucht. Offensichtlich erfolglos. Anfang des 19. Jahrhunderts breitete sich die Sitte des Kaffetrinkens auch auf die ländliche Bevölkerung aus und allmählich über das ganze Land.

Trotz seiner stetigen großen Beliebtheit war der Konsum des Kaffees nie so hoch wie heute, da er früher ein sehr teures Importgut war. 1819 wurde ein Kaffeeverbrauch von 25 Gramm pro Kopf und Jahr errechnet. Damals musste ein Arbeiter drei Tage lang voll arbeiten, um sich ein Kilo Kaffee leisten zu können. 1840 hatte sich dieser immense Preis bereits halbiert, während sich der Import versiebenfacht hatte. Noch besser wurden die Zeiten für Kaffeeliebhaber nachdem 1847 der British Navigation Act aufgehoben worden war und die Schiffahrer weniger Restriktionen ausgesetzt waren. 1860 betrug der durchschnittliche Konsum schon ein Kilo pro Kopf und raste bis heute weiter in die Höhe. Die Preise fallen derweil. Heute muss ein Finne nur noch eine Halbe Stunde arbeiten, um sich ein Kilo Kaffee leisten zu können.

Quelle: Alho, Olli (Hrsg.): Kulturlexikon Finnland, aus dem Englischen von Gisbert Jänicke, Helsinki. Finnische Literaturgesellschaft. 1998.

Gleichgeschlechtliche kirchliche Ehe findet Zustimmung

1. November 2009 um 15:06 | Veröffentlicht in Nachrichten aus Finnland | Hinterlasse einen Kommentar
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In der Beilage der Sonntagszeitung “Sunnuntaisuomalainen” wird berichtet, dass laut einer Taloustutkimus-Umfrage 44% der Finnen der Ansicht sind, die Finnische Evangelisch-Lutherische Kirche solle Zeremonien für gleichgeschlechtliche Paare durchführen.

Hingegen 39% der befragten Leute sagen, dass sie dies ablehnen. 17% waren unentschlossen zu diesem Thema. In der Studie wurden 1000 Finnen befragt.

Schwedens Lutherische Kirche begann letzte Woche Hochzeitszeremonien für homosexuelle Paare durchzuführen. Schweden ist damit das siebte Land der Welt – nach Belgien, Kanada, den Niederlanden, Norwegen, Südafrika und Spanien -, in dem die Eheschließung für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet wurde.

Finnlands Evangelisch-Lutherische Kirche wird im nächsten Frühjahr weiter über die Angelegenheit diskutieren. Obwohl Finnland den gleichgeschlechtlichen Bund 2002 legalisiert hat, lässt die Kirche noch immer eine offizielle Politik zu diesem Thema vermissen.

Quelle: www.yle.fi

Rezension: Ingrid Bohn – Finnland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart

25. Oktober 2009 um 09:00 | Veröffentlicht in Rezension | Hinterlasse einen Kommentar
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Titel: Finnland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart
Autor: Ingrid Bohn
Verlag Friedrich Pustet Regensburg
Erscheinungsjahr: 2005
Seitenzahl: 308
Bewertung: 5/5

Das Geschichtsbuch von Ingrid Bohn ist nach eigenen Angaben die „erste deutschsprachige Darstellung der Geschichte Finnlands von der Frühzeit bis zum modernen Staat heute“ (siehe Klappentext). Es beginnt mit einer Zusam-menstellung der ältesten schriftlichen Informationen, die man über Finnland hat, sowie einer Beschreibung der heutigen naturräumlichen Begebenheiten. Und dann wird die Geschichte des Landes ausführlich von der ersten (bekannten) Besiedlung des Landes bis hin zu Finnlands Rolle im heutigen Europa (bis zum Zeitpunkt 2005 natürlich nur) beschrieben. Hierzu erfolgte eine grobe Einteilung in fünf Kapitel:

  1. Besiedlung, Sprache, Gesellschaft – Streiflichter aus der Ur- und Frühgeschichte Finnlands (15 Seiten)
  2. Das Mittelalterliche Finnland (47 Seiten)
  3. Von der Reformation bis zum Anbruch der (Späten) Neuzeit (41 Seiten)
  4. Finnland als Russisches Großfürstentum (59 Seiten)
  5. Finnland als Souveräner Staat (79 Seiten)

Im Zentrum steht die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Finnlands, aber auch wichtigen kulturellen Ereignissen wird erfreulich viel Aufmerksamkeit geschenkt. Der in viele übersichtliche Unterkapitel untergliederte Fließtext wird aufgelockert durch gelegentliche Bilder, Karten und graue Boxen, die bestimmte Themen (z.B. Helsingfors/Helsinki 1500-1809, Kalevala, Anfänge der finnischen Frauenbewegung) herausgreifen und gezielt beleuchten. Abgeschlossen wird das Buch durch eine Auflistung von Finnlands Staatspräsidenten, einer sehr übersichtlichen Zeittafel (vier Seiten lang), vielen Literaturhinweisen, einigen Internetadressen und einem praktischen Orts- und Namensregister.

Das Buch richtet sich ausdrücklich an ein breites, interessiertes Publikum. Vorkenntnisse über das allgemeine geschichtliche Geschehen erleichtern zwar sicherlich das Verständnis aller globaler Zusammenhänge, sind aber grundsätzlich nicht erforderlich. Eine Bettlektüre ist dieses Geschichtsbuch sicherlich nicht – vor allem die politische Entwicklung ist mitunter anstrengend nachzuvollziehen, da hier sehr detailliert vorgegangen wird. Dennoch liest es sich viel flüssiger als so manches meiner alten Schulbücher, besonders durch die ständige thematische Abwechslung zwischen Politik, Wirtschaft und Kultur. Durch die gut gegliederte Kapitel- und Unterkapiteleinteilung werden die chronologischen Abläufe gut überschaubar.

Von meiner Seite gibt es eine absolute Kaufempfehlung für alle, die sich detailliert für finnische Geschichte oder einen bestimmten Teilaspekt davon interessieren. Wer sich nur grob informieren will, sollte eher zu einem etwas weniger ausführlichen Werk greifen, z.B. aus der Reihe C.H. Beck Wissen: Geschichte Skandinaviens von Harm G. Schröter.

Finnischer Film in deutschen Kinos

22. Oktober 2009 um 10:18 | Veröffentlicht in Film, Termine | Hinterlasse einen Kommentar
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Am 05. November 2009 startet der finnische Film Der Besucher in deutschen Kinos. Es ist der erste Langfilm des Regisseurs Jukka-Pekka Valkeapää. Manche kennen vielleicht seinen Kurzfilm “The Fall”, der einige Auszeichnungen gewonnen hat.

Hier die Inhaltsangabe zu “Der Besucher” von farbfilm-verleih:

“Finnland, erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein zehnjähriger, stummer Junge lebt mit seiner jungen Mutter auf einem kleinen Hof inmitten der wilden finnischen Wälder.  Seinen Vater sieht er selten: Der brutale Mann sitzt im weit entfernten Gefängnis ein. Als plötzlich ein Fremder mit einer Notiz des Vaters und einer Schußwunde in der Seite auf dem Hof auftaucht, gerät alles aus den Fugen. Das Schicksal ist nicht aufzuhalten…”

Auf der oben verlinkten Seite findet ihr außerdem Trailer und Fotos.

Jugendorganisation fordert monolinguales Finnland

12. Oktober 2009 um 09:33 | Veröffentlicht in Kultur, Nachrichten aus Finnland, Sprache | Hinterlasse einen Kommentar
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Die Jugendorganisation der rechtspopulistischen Partei Wahre Finnen fordert, dass Finnisch die einzige offizielle Sprache des Landes sein soll.

Die Partei fasste den Entschluss, dass Schwedisch nicht mehr Finnlands zweite offizielle Amtssprache sein soll, auf ihrem Kongress in Vaasa letztes Wochenende. Die Partei will die Sprache auf den Status einer Minderheitensprache, so wie Samisch, Roma und Gebärdensprache, degradieren.

Vesa-Matti Saarakkala, der Vorsitzende der Jugendorganisation der Wahren Finnen, äußert, dass die Ressourcen, die ausgegeben werden, um Dienstleistungen in schwedischer Sprache zu unterhalten, unzumutbar seien.

Er argumentiert außerdem, dass der Sprachstatus von Schwedisch herabgesetzt werden sollte, weil er die in Finnland lebenden Russen dazu veranlassen könnte, den selben Status für die russische Sprache zu verlangen.

Die Jugendorganisation der  Wahren Finnen meint, Finnland habe in seiner Sprachpolitik versagt, weil sie nicht die Wirklichkeit widerspiegle.

In Finnland geben rund 5,5% Schwedisch als Muttersprache an. Die Sprecher leben vor allem an der südlichen und östlichen Küste des Landes, sowie auf der Inselgruppe Åland. Schwedisch hat aufgrund historischer Entwicklungen noch einen hohen Status in Finnland. Viele Experten sind der Ansicht, dass die zweite Amtssprache Finnlands Anschluss an Skandinavien sichert.

Quelle: www.yle.fi

Kalevala

11. Oktober 2009 um 09:00 | Veröffentlicht in Kultur, Literatur, Musik | Hinterlasse einen Kommentar
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Heute schreibe ich von einem Werk, das wir schon öfter mal in einigen Artikeln erwähnt haben: Kalevala. Die häufige Nennung deutet schon an, dass dieses Buch einen recht großen Einfluss in Finnland hatte bzw. immer noch hat. Es gilt als Finnlands Nationalepos und wird von Liebhabern des Genres auch weit über Finnlands Grenzen hinaus gelesen.
In diesem Artikel werde ich zuerst kurz den Inhalt zusammenfassen, dann etwas über die Entstehungsgeschichte des Werks und den Sprachstil erzählen und schließlich auf seine Wirkung – speziell modernere Aufgriffe – eingehen.

Im Kalevala gibt es mehrere Handlungsstränge. Das Werk beginnt mit der finnischen Version der Entstehung der Welt, in der kurz gesagt einige Enteneier zerbrechen und den Kosmos bilden und außerdem Ilmatar im Gebären des Urzeitsängers Väinämöinen eine Meerlandschaft erschafft. Väinämöinen ist nun eine der zentralen Figuren des Epos und mit ihm die Helden Ilmarinen und Lemminkäinen. Die drei verbringen viel Zeit damit, um die Tochter von Louhi, der Herrscherin des Nordlandes, zu werben. Außerdem streiten sie mit Louhi um dem mystischen Sampo, der Wohlstand bringt und von Ilmarinen für Louhi geschmiedet wurde. Der Sampo zerbricht dabei.
Die berühmteste Handlung um Lemminkäinen ist, wie er beim Versuch, den Schwan vom Totenfluss Tuonela zu töten, zerstückelt wird, dann aber von seiner Mutter mit einer Harke wieder aus dem Fluss gefischt und zum Leben erweckt wird. Hier ein Gemälde dazu von Akseli Gallen-Kallela:

Lemminkäinen

Außerdem gibt es noch die Geschichte von Kullervo, die an das Schicksal von Ödipus erinnert. Das Kalevala endet mit der christlich beeinflussten Erzählung von Marjatta, die von einer Preiselbeere schwanger wird. Das Kind wird Herrscher von Karelien, woraufhin Väinämöinen das Land verlassen muss.

Wie ist nun diese lustige Geschichte mit ihren vielen Handlungssträngen entstanden?
Das Kalevala, wie es heute vorliegt, ist das Werk vom finnischen Schriftsteller, Philologen und Arzt Elias Lönnrot (1802-1884). Er selbst hätte das damals aber wohl ein bisschen anders gesehen. Die Grundlage für das Kalevala sind finnische Volksdichtungen, die in der Epoche der Romantik, als diese Tradition schon im Aussterben war, großes Interesse weckten (Vgl. auch den Artikel zum Karelianismus ). Diese Kunst des einfachen Volkes wurde mündlich überliefert und in gesungener Form vorgetragen. Hier kann man sich so was mal anhören. Lönnrot und einige andere Zeitgenossen kamen nun auf die Idee, das aufzuzeichnen (mit Stift und Papier natürlich). Sie sahen in der Volksdichtung noch viel mehr, nämlich die verstreuten Überreste eines Urepos, die gesammelt und wieder zusammengesetzt werden mussten, und außerdem die Reste der „wahren finnischen Kultur“, was damals, in einer Zeit der nationalen Identitätsfindung, äußerst bedeutsam war.
Lönnrot und seine Kollegen hatten also Grund genug durch das ganze Land und vor allem durch Karelien zu stiefeln (ja, vor allem zu Fuß, außerdem per Pferd oder Ruderboot) und sich in mühseliger Arbeit von berühmten Liedersängern ihr Repertoire vortragen zu lassen und per Hand mitzuzeichnen. Lönnrot selbst unternahm neun solche Sammelreisen, wo er jeweils meist mehrere tausend Verse aufzeichnete.
Mit dieser Menge an Material und zusätzlich dem von Gehilfen und Kollegen schuf er das Kalevala als Gesamtwerk mit (einigermaßen) durchgängiger Handlung. Dazu hat er sortiert und verschoben und auch einige Verse selbst gedichtet. Die endgültige Ausgabe des Kalevala erschien 1849 und enthält fast 23.000 Verse, die in 50 Gesänge (also Kapitel, man sagt auch „Runen“; finn. runo = Gedicht) unterteilt sind.

Dies ist eine wunderbare Gelegenheit, um zum sprachlichen Stil des Kalevala überzugehen. Es gibt also Verse, so viel wissen wir schon. Hier mal ein Beispiel:

Mieleni minun tekevi,
aivoni ajattelevi
lähteäni laulamahan,
saa’ani sanelemahan,
sukuvirttä suoltamahan,
lajivirttä laulamahan.
Sanat suussani sulavat,
puhe’et putoelevat,
kielelleni kerkiävät,
hampahilleni hajoovat.

Das sind die ersten Zeilen des Kalevala. Die Übersetzung von Hans Fromm lautet folgendermaßen:

Mich verlangt in meinem Sinne, mich bewegen die Gedanken,
An das Singen mich zu machen, mich zum Sprechen anzuschicken,
Stammesweise anzustimmen, Sippensang nun anzuheben.
Worte schmelzen mir im Munde, es entstürzen mir die Mären,
Eilen zu auf meine Zunge, teilen sich an meinen Zähnen.

Zwei aufeinanderfolgende Verse gehören inhaltlich (fast) immer zusammen. Den deutschen Übersetzern hat es gefallen, das direkt in eine Zeile zu schreiben. Dies ist auch schon ein wichtiges Stilmittel des Kalevala: Parallelismus. Zwei Verse können synonym (gleichbedeutend), analog (gleichartig) oder aber auch antithetisch (gegensätzlich) sein. Diese Einteilung ist natürlich ein bisschen subjektiv, wie man bei einem eigenen Versuch an diesen fünf Versen da oben sogleich feststellen kann.
Das andere wichtige Stilmittel des Kalevala ist die Alliteration bzw. der Stabreim, also mehrere Wörter eines Verses beginnen mit dem selben Laut. Das kann man auch ohne eigene Finnischkenntnisse am originalen Textbeispiel gut nachvollziehen. „Mieleni minun tekevi“ usw. Endreime, wie es bei uns im Indogermanischen üblich ist, gibt es hingegen nicht.
Das Versmaß – Kalevala Versmaß genannt und auch in anderen Textformen verwendet – ist ein trochäischer Tetrameter. Damit ist gemeint, dass jeder Vers aus vier Trochäi, also Hebung + Senkung, besteht. Die Silbenanzahl beträgt acht, manchmal auch neun oder zehn. Ein drittes wichtiges Kriterium ist die Silbenlänge, die in der finnischen generell recht wichtig ist (die Länge von Vokalen und Konsonanten ist bedeutungsunterscheidend). Das spielt alles auf recht komplexe Weise zusammen. Je nachdem, an welcher Stelle des Verses eine Silbe steht, darf sie u.U. nur lang oder nur kurz sein.

Nun zuletzt noch ein paar Worte zur Wirkung des Kalevala. Die Bedeutung des Kalevala „früher“ kann man am besten im Artikel über Karelianismus nachlesen. Aber auch in jüngster Zeit wird das Kalevala thematisch immer wieder von den unterschiedlichsten Menschen aufgegriffen. Zum Beispiel in der Musik: Nicht nur Sibelius hat gerne die Texte aus dem Kalevala vertont, sondern auch die finnische Metal-Band Amorphis, welche allerdings eine englische Übersetzung nutzt (Album: Tales from the Thousand Lakes). Weiterhin werden der Kullervo-Stoff (Album: Eclipse) und die Geschichte um Lemminkäinen (Album: Silent Waters) thematisch verarbeitet. Mit Lemminkäinen hat sich auch die stilistisch etwas kitschiger veranlagte Metal-Band Amberian Dawn befasst. Und dann gibt es noch einige Bands mehr.
Andere Zielgruppen werden zum Beispiel beim zeitgenössischen finnischen Komponisten Einojuhani Rautavaara fündig, der eine Oper über den Sampo geschrieben hat. Es gibt noch einige mehr Opern, die sich mit dem Kalevala beschäftigen.

Ein paar Filme zum Kalevala gibt es auch. Der neuste davon trägt den Namen „Jadesoturi“ („Jade Warrior“) und ist eine Finnisch-Chinesische Produktion aus dem Jahr 2008.

Kalevala wurde auch in literarischer Form verwertet, zum Beispiel im Roman „Sankarit“ von Johanna Sinisalo. Äußerst berühmt bei Kindern ist das Hundekalevala (Koirien Kalevala) des berühmten finnischen Kinderbuchautoren Mauri Kunnas. Dort werden auch die bekannten Werke von Akseli Gallen-Kallela nachgezeichnet. Diesem Prinzip folgt auch ein Donald Duck Comic mit dem Titel „Sammon salaisuus “. Hier gibt es ein paar Scans in verschiedenen Sprachen.

Man sieht, dass es also hilfreich sein kann, sich mit dem Kalevala ein bisschen auszukennen, wenn man sich für finnische Kunst interessiert.

Hier noch ein paar Links:
Kalevala auf Finnisch
Kalevala auf Englisch

Finnische Regierung feiert 200-jähriges Bestehen

2. Oktober 2009 um 21:02 | Veröffentlicht in Geschichte, Kultur | Hinterlasse einen Kommentar

Finnlands Regierung feiert am heutigen Freitag 200-jähriges Bestehen. Die erste Versammlung der Regierung wurde im Herbst 1809 in Turku abgehalten. Damals ging Finnland Schweden verloren und wurde ein autonomes russisches Großfürstentum.

Dem Festtag zu Ehren wurde in Turku eine Gedenktafel an genau dem Ort ausgestellt, an dem sich das der Regierung vorausgehende Regierungskonzil vor 200 Jahre versammelt hatte.

Quelle: www.yle.fi

Finnlands Staatspräsidenten im Überblick II

28. September 2009 um 11:08 | Veröffentlicht in Geschichte, Persönlichkeiten, Politik | Hinterlasse einen Kommentar
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Hier folgt der zweite Teil der Übersicht über Finnlands Staatspräsidenten, diesmal von Carl Gustav Mannerheim bis Tarja Halonen. Der erste Teil des Artikels findet sich hier.

Carl Gustav Mannerheim 1944-1946
Mannerheim ist eine so schrecklich berühmte und wichtige Persönlichkeit, dass ich mich auf ein paar Stichworte beschränken muss. Zuerst mal war er lange beim Militär und spielte beim Bprgerkrieg 1918 eine wichtige Rolle. Er hatte den Oberbefehl über die sog. „weißen“ Truppen. Die besiegten „Roten“ wurden hinterher ziemlich grausam behandelt, wogegen Mannerheim wohl nichts unternommen hat. Im Winterkrieg war Mannerheim Oberbefehlshaber der finnischen Armee. Als Präsident von Finnland (1944-1946) brach er die Beziehungen zum Deutschen Reich ab und schloss dann direkt einen Waffenstillstand mit der Sowjetunion. Siehe dazu auch den Abschnitt über Risto Ryti.

Mannerheim



Juhu Kusti Paasikivi 1946-1956
Paasikivi hatte bis 1885 den noch nicht fennifizierten (also schwedischen) Namen Johan Gustav Hellsten. Er ist vor allem bekannt für die Aussöhnungspolitik mit der Sowjetunion. In den 1960ern und 70ern vollführte Finnland den Drahtseilakt, gleichzeitig gute politische Beziehungen zu Skandinavien (zur Sicherung von Finnlands Anschluss an Westeuropa) und dem mächtigen Nachbar Sowjetunion (zur Wahrung der finnischen Unabhängigkeit) zu halten.

paasi



Urho K. Kekkonen 1956-1982
Es folgt ein weiterer, sehr wichtiger Mensch und einer der wenigen Namen, die man auch außerhalb Finnlands schon mal gehört hat. Kekkonen ist der am längsten amtierende Staatspräsident Finnlands. Nach seiner Amtszeit hat man darum festgesetzt, dass der finnische Präsident höchstens für zwei mal sechs Jahre regieren darf. Kekkonen führte die Politik Paasikivis fort, welche man deshalb Paasikivi-Kekkonen-Linie nennt. Beständig war er (sehr erfolgreich) um ein friedliches Verhältnis zur Sowjetunion und der Versicherung von Finnlands Neutralität bemüht, wobei er einen recht autoritären Regierungsstil pflegte. Kekkonen ist immer noch sehr beliebt in Finnland, da er den Land zu Aufstieg und Wohlstand verhalf.

Mauno Koivisto 1982-1994
Koivisto wurde Präsident, nachdem Kekkonen aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste. Er führte zuerst die Außenpolitik Kekkonens fort bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion. Danach unterstützte er zum Beispiel den EU-Beitritt Finnlands, der 1995 erfolgte.

Martti Ahtisaari 1994-2000
Ahtisaari ist außer Politiker auch noch Diplomat. 2008 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen. Er war zum Beispiel viele Jahre lang Namibia-Beauftragter der UNO. Auch war er beteiligt am Erreichen vom Ende des Bürgerkriegs in Aceh (Indonesien) im Jahr 2005. Später leitete er zudem die Verhandlungen über den zukünftigen Status vom Kosovo.

Tarja Halonen 2000-
Wir sind in der Gegenwart bei der aktuellen finnischen Präsidentin angekommen. Sie ist, wie vielleicht aufgefallen ist, die erste Frau, die dieses Amt bekleidet. Zuvor wurde sie bereits die erste weibliche Außenministerin in Finnland. Sie ist ein eher unkonventioneller Mensch, war zur Zeit ihrer Wahl alleinstehende Mutter, ist aus der Kirche ausgetreten, mag keine steif-feierlichen Zeremonien und setzt sich schon lange für Menschenrechte und Minderheiten, zum Beispiel Schwule und Lesben, ein. Gleichzeitig genießt sie großes Vertrauen, wodurch sie zum Beispiel im Jahr 2000 auf dem Millenniums-Gipfel der UNO gemeinsam mit Namibias Präsident Sam Nujoma den Vorsitz geführt hat.

Quelle: Ingrid Bohn – Finnland. Von den Anfängen bis zur Gegewart. In: Geschichte der Länger Skandinaviens. Herausgegeben von Jörg-Peter Findeisen. Regensburg: Verlag Friedrich Pustet, 2005.

Finnlands Staatspräsidenten im Überblick

13. September 2009 um 10:00 | Veröffentlicht in Geschichte, Persönlichkeiten, Politik | 1 Kommentar
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In diesem Artikel möchte ich einen kleinen Überblick über die Menschen geben, die bisher Finnlands Staatsoberhaupt waren bzw. sind. Unvermeidlich wird dies zugleich ein kleiner Geschichtsüberblick.
Der Präsident (offiziell: Präsident der Republik Finnland; finnisch: Suomen Tasavallan Presidentti; schwedisch: Republiken Finlands President) wird direkt vom Volk für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Seit 1994 darf er nicht öfter als für zwei Amtsperioden gewählt werden. Das genaue Wahlprozedere soll aber nicht Gegenstand dieses Artikels werden. Ich verweise auf unseren Artikel über das politische System Finnlands. Statt dessen sollen die bisherigen Präsidenten in Hinblick auf die „Taten“, durch die ihr Bild im Gedächtnis der Geschichte hauptsächlich geprägt wurde, vorgestellt werden.
Ich beginne mit den ersten fünf Präsidenten und die nächsten sechs folgen in zwei Wochen.



Kaarlo Juho Stålberg 1919-1925

Er war der erste Präsident der jungen Republik Finnland und kommt aus dem liberalen Umfeld. Am 6. Dezember 1917 hatte sich Finnland für unabhängig erklärt. Dann gab es noch einen unschönen, blutigen Bürgerkrieg. Aber schließlich bekamen die Republikaner Überhand und der erste Präsident konnte gewählt werden. Dem Inhaber des Amtes wurde verglichen mit anderen europäischen Demokratien relativ viel Macht übertragen (welche erst in den 90ern wieder eingeschränkt wurde). Stålberg verzichtete aber 1925 demonstrativ auf eine weitere Kandidatur. Später hat er es trotzdem noch mal versucht, unterlag aber knapp seinen Konkurrenten.
Ståhlberg




Lauri Kristian Relander 1925-1931
Der zweite Präsident Finnlands fand kaum Unterstützung und wurde eigentlich ständig kritisiert. Vor allem die Zeit unter den ersten zwei Präsidenten war durch viele Regierungsauflösungen gekennzeichnet. Bis zu Beginn des zweiten Weltkrieges gab es 22 Regierungen.




Pehr Evind Svinhufvud 1931-1937
Er war ein konservativer Politiker und seine Regierungszeit war geprägt von einer angespannten Stimmung zwischen den bürgerlichen Parteien und den Sozialdemokraten. Die Sozialdemokraten waren eigentlich stärkste Partei, aber ihnen wurde die Teilhabe an der Macht versagt. Das wurde Svinhufvud dann zum Verhängnis, er wurde 1937 nicht wiedergewählt.
Vor dem finnischen Parlamentsgebäude kann man eine große Statue von Svinhufvud bewundern.
Svinhufvud





Kyösti Kallio 1937-1940

Kallio war vor seiner Präsidentschaft Mitglied der Agrarischen Union, die später in Finnische Zentrumspartei umbenannt wurde. Unter ihm kam es dann zu einer Aussöhnungspolitik zwischen Links und Rechts und es gab zum ersten Mal eine Mitte-Links-Regierung. Industrieproduktion und Export konnten in dieser Zeit erheblich gesteigert werden. Die Gesellschaftspolitik erfuhr eine neue Ausrichtung nach Vorbild Schwedens. Es wurden auch neue Wege gegangen, den gesellschaftlichen Reichtum umzuverteilen, doch dann kam der zweite Weltkrieg dazwischen.
Kallio





Risto Ryti 1940-1944

Dieser finnische Politiker schloss einen Vertrag mit den Deutschen, nach dem die Deutschen Finnland im Fortsetzungskrieg gegen die Sowjetunion Waffenhilfe und Getreidelieferungen zusicherten, andererseits Finnland aber verpflichtete, keinen Waffenstillstand mit der Sowjetunion zu schließen, ohne Deutschland einzubeziehen. Glücklicherweise war juristisch gesehen nur Ryti an den Vertrag gebunden. Er trat unter einem Vorwand zurück, nachdem der Großangriff aus der Sowjetunion abgewehrt war. Carl Gustav Mannerheim hat dann den Waffenstillstand mit der Sowjetunion geschlossen. Risto Ryti wurde auf sowjetischen Druck hin zu zehn Jahren Haft wegen Kriegsverbrechen verurteilt,aber schon vier Jahre später wegen begnadigt.




Quelle: Ingrid Bohn – Finnland. Von den Anfängen bis zur Gegewart. In: Geschichte der Länger Skandinaviens. Herausgegeben von Jörg-Peter Findeisen. Regensburg: Verlag Friedrich Pustet, 2005.

Heute Finnische Feuerwerkmeisterschaft in Helsinki

3. September 2009 um 14:30 | Veröffentlicht in Kultur, Termine | Hinterlasse einen Kommentar
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In Helsinki werden heute Abend für die Finnische Feuerwerkmeisterschaft etwa 100.000 Besucher erwartet.

Das vom kommerziellen TV-Sender Nelonen und einer Sound und Beleuchtungsfirma gesponserte Event beginnt um 21.30 und dauert eine Stunde. Fünf Teams werden von der Insel Hernesaari Feuerwerkshows abfeuern, die je 8 Minuten dauern sollen.

Wegen des Wettbewerbs werden die Straßen südlich von Tehtaankatu von 20 Uhr bis Mitternacht gesperrt werden.

Der Gewinner dieses 12. Pyrotechnik Contest wird verantwortlich für die Silvester-Feuerwerksshow auf dem Senatsplatz sein.

Es wird erwartet, dass sich die Menschenmasse auf den Kaivopuisto Park konzentrieren wird. Das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln wird für den Abend ausgebaut. Passagiere sollen viel Zeit mitbringen und Autofahrer sollen den südlichen Teil der Hauptstadt wenn möglich vermeiden.

Quelle: www.yle.fi
www.helsinki.fi

YLE feiert 50 Jahre TV News

2. September 2009 um 10:59 | Veröffentlicht in Allgemein, Kultur | 1 Kommentar
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YLEs Nachrichtendienst feierte vergangenen Dienstag sein 50-jähriges Jubiläum. Die erste von der finnischen Rundfunkgesellschaft produzierte Fernsehnachrichtenausstrahlung wurde am 1. September 1959 ausgestrahlt.

In den fünf Jahrzenten, die folgten, hat sich YLEs Nachrichtenbetrieb zu einem der Medienkanäle in Finnland entwickelt, die am genausten verfolgt werden und denen das meiste Vertrauen geschenkt wird. YLEs Nachrichtendienste erfassen heutzutage alle elektronischen Medien. Dazu gehören Radio, Fernsehn, Internet und Videotext.

Täglich erreichen von YLE produzierte Nachrichten über 70% der Finnen. YLE wird weithin als die vertrauenswürdigste Nachrichtenquelle des Landes angesehen.

Quelle: www.yle.fi

“Über uns” aktualisiert

30. August 2009 um 17:19 | Veröffentlicht in Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Wir haben die Seite “über uns” etwas ausführlicher gestaltet – für alle, die interessiert, wer hier aus welchem Grund die Texte verfasst, und den Eingangspost nicht gelesen hat.

Hier ein Direktlink: http://finnlandfreaks.wordpress.com/about/

Die Anfänge der finnischen und finnlandschwedischen Literatur

30. August 2009 um 17:10 | Veröffentlicht in Geschichte, Kultur, Literatur, Sprache | 2 Kommentare
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Literatur aus den nordischen Ländern erfreut sich immer größerer Beliebtheit in Mitteleuropa. Irgendetwas scheinen die skandinavischen und finnischen Autoren zu haben, das uns besonders anspricht. Ist es das besondere Lebensgefühl dort oben, welches durch die Werke vermittelt wird?

Wie sich die Eigenheiten der finnischen und finnlandschwedischen Literatur entwickelt haben und wodurch sich diese von der skandinavischen Literatur unterscheidet, werden wir in einer Reihe von Artikeln beleuchten. Außerdem werden wir aufzeigen, wie sehr die Literaturgeschichte mit der nationalen Entwicklung zusammen hängt. Heute beginne ich mit den Anfängen bis hin zum 19. Jahrhundert.

Wir beginnen im Mittelalter und stellen sogleich fest, dass es hier nicht besonders viel zu entdecken gibt. Es gab kirchliche Schriften und die waren auf Latein. Später wurden auch ein paar Sachen ins Schwedische übersetzt (die Schweden haben sich seit dem 12. Jahrhundert in Gebieten des heutigen Finnlands breit gemacht), aber eine finnische Schriftsprache existierte nicht, genau so wenig wie nennenswerte literarische Erzeugnisse.

Dann kam ab 1528 die Reformation nach Finnland und mit ihr wirkte ein ganz wichtiger Mensch, nämlich der “Vater der finnischsprachigen Literatur und der finnischen Schriftsprache”, Mikael Agricola (ca. 1510 – 1557). Agricola war vermutlich finnischer Muttersprachler, aber da er in einer Gegend aufwuchs, in der hauptsächlich Schwedisch gesprochen wurde, lernte er diese Sprache wohl auch schon sehr früh.

Sein Hauptwerk ist die Übersetzung des Neuen Testaments aus dem Griechischen ins Finnische nach dem Vorbild Luthers. Außerdem war er ein Anhänger des Humanismus. Sein Wirken sollte der lutherischen Kirche und der geistlichen Erziehungsarbeit dienen.

Sein erstes Werk und damit das erste finnischsprachige Buch überhaupt ist das abckirja (dt. ABC-Buch, Stockholm 1543, 1551, 1559). Das ist eine Fibel und in ihr steht, wie der Name sagt, das Alphabet, außerdem unter anderem die Zehn Gebote, einige Gebete und ein Verzeichnis der finnischen Zahlwörter. Hier kann man den Originaltext lesen. Beachtenswert ist die lustige alte Rechtschreibung. Und hier ist ein hübscher Holzschnitt, der Agricola zeigt.

Wir überfliegen mal kurz die Zeit vom Barock zum Rokoko. Da wurde die Universität von Turku gegründet (1640) – also die erste Universität Finnlands! 1642 folgte die erste Buchdruckerei. Hauptsächlich wurde auf Latein veröffentlicht, aber auch auf Finnisch gedichtet.

In der Zeit der Aufklärung gab es eine wichtige Entwicklung für die finnische Volksdichtung. Da hat Henrik Gabriel Porthan (1739 – 1804), der als Vater der finnischen Geschichtsschreibung gilt, die erste anspruchsvolle Studie über finnische Volksdichtung (De Poesi Fennica) geschrieben. Das hat das Bild von der Volksdichtung radikal verbessert.

Richtig interessant wird es aber jetzt erst in der Romantik. Hier begann die eigentlich bedeutsame literarische Kultur Finnlands langsam aufzublühen. Von besonderem Einfluss waren die Gedanken Johann Gottfried von Herders (1744 – 1803), einem Dichter und Philosophen der Weimarer Klassik. Herder fand, die Kraft der Poesie liege weder in ihrer Gelehrtheit noch in ihrer Bildung, sondern in ihrem lebendigen Verhältnis zur Natur und zum Volk, und sprach den Finnen damit aus der Seele. Man begab sich also in die Natur, um Gott und das finnische Volk und sich selbst zu erkennen. Dies wurde zum Fundament der finnischen Nationalromantik, die von großer Bedeutung für den Aufbau der finnischen Identität war.

Und nun ein bisschen Kulturgeschichte in Kurzfassung. Die Bildungsschicht in Finnland war schwedischsprachig. Die Romantiker in ganz Europa haben die Bedeutung der Volkssprachen und den Wert der Dialekte gepriesen. Also haben die Romantiker in Finnland versucht die Bildungsschicht davon zu überzeugen, ihre Muttersprache zu Gunsten von Finnisch aufzugeben. Diese Romantiker waren selbst schwedischsprachig. Die „Elite“ wollte also ihre eigene Muttersprache gegen die des gemeinen Volkes tauschen!

Ab 1810 wurde die finnische Nationalromantik zu einer breiteren kulturellen Strömung. 1831 wurde die Finnische Literatur-Gesellschaft (Suomalaisen Kirjallisuuden Seura) gegründet, die sehr bedeutsam für die Entwicklung finnischsprachiger Literatur war.

Jetzt berichte ich aber trotzdem zuerst von einem wichtigen Schriftsteller, der auf Schwedisch verfasste und kaum Finnisch beherrschte – Johan Ludvig Runeberg (1804 – 1877). Sein Literaturbegriff und seine Ästhetik basierten auf der idealistischen deutschen Philosophie, auf der neuhumanistischen Tradition und auf der Romantik. Er fand also Volksdichtung auch toll, denn das sei die Literatur, die der Natur am nächsten stehe, und in der Natur offenbare sich Gott.

Von Runeberg stammt der Text der finnische Nationalhymne Vårt land (dt. Unser Land), bzw. in finnischer Übersetzung Maamme laulu. Es ist das erste Gedicht aus dem Werk Fänrik Ståls sägner (dt. Die Sagen des Fähnrich Stahl, 1848). Das ist eine Sammlung romantischer erzählender Kriegsgedichte (wie auch immer so was aussehen soll – ich habe es noch nicht gelesen) über den Finnischen Krieg von 1808/09 zwischen Schweden und Russland. Der Text der Hymne ist hier ganz schön auf Schwedisch, Finnisch und Deutsch nebeneinander gestellt. Runeberg war in keiner Weise radikal und schrieb nie etwas kritisches gegen die Herrscher (Finnland gehörte inzwischen zu Russland). Probleme mit Zensur hatte er also nie.

Als nächstes kommt endlich ein finnischer Muttersprachler: Elias Lönnrot (1802 – 1884). Er schuf das bereits hier und da mal in Artikeln erwähnte Kalevala, das Nationalepos der Finnen. Dazu reiste er kreuz und quer durch Finnland, um Volksdichtung aufzuzeichnen, welche er dann zu einem Gesamtwerk verknüpfte. Der Ansicht der Zeit folgend glaubte er nämlich, dass Volksdichtungen die verstreuten Reste eines einheitlichen Urepos seien. 1833 erschien die erste Ausgabe des Kalevala und 1849 dann die endgültige, welche 50 Lieder (oder auch Runen genannt) und insgesamt nahezu 23000 Verse enthält.

Das Kalevala handelt unter anderem von dem Kampf zwischen dem Reich Pohjola und dem Reich Kalevala, aber es gibt noch einige andere Handlungsstränge. Die wichtigsten Personen sind Väinämöinen, Ilmarinen, Lemminkäinen und Louhi. Wir werden uns dem Thema sicher noch mal ausführlicher widmen. Sollte dieses sprachlich wunderschöne Werk jemand lesen wollen, so ist die Übersetzung von Hans Fromm empfehlenswert.

Von Lönnrot zusammengestellt wurde außerdem das lyrische „Schwesterwerk“ des Kalevala, Kanteletar, welches 652 Lieder und Balladen mit insgesamt 22.201 Versen enthält.

Das Treiben von Runeberg und Lönnrot wurde von einem weiteren wichtigen Zeitgenossen eher kritisch beäugt. Johan Vilhelm Snellman (1806 – 1881) war der wohl wichtigste gesellschaftliche Meinungsführer seiner Zeit in Finnland. Der Philosoph, Journalist, und Staatsmann hatte sich der Philosophie Hegels voll und ganz verschrieben. Er forderte eine radikale Fennifizierung, weil seiner Meinung nach der Nationalgeist eines Volkes in der Volkssprache zum Ausdruck kommt. Und daher sei die Existenz einer finnischen Nation (wir erinnern uns: Finnland gehörte zu Russland) ohne Finnisch als Kultursprache nicht möglich.

Runeberg disqualifiziere sich Snellmans Ansicht nach durch den Gebrauch der schwedischen Sprache und Lönnrot hinge der Literatur einer vergangenen Epoche nach.

Snellman war auf jeden Fall total wichtig für die finnische Identitätsbildung und auf dem Weg in die Unabhängigkeit.

Dieser Konflikt zwischen Snellman und den Romantikern – Kultur und Bildung vs. Natur und Volkssprache – wurde ein paar Jahre später aufgelöst vom Journalisten, Schriftsteller, Märchenerzähler, Geschichtsprofessor und Universitätsdirektor Zacharias Topelius (1818 – 1898).

Er verband die romantische Naturbewunderung mit Kultur und Geschichte und fügte die Auffassungen Snellmans und Runebergs zu einer Vaterlandsidee zusammen.

So, das war der erste (und sehr lang geratene) Teil über die finnische Literaturgeschichte. In ein paar Wochen (soll ja nicht zu monoton werden) geht es weiter mit dem nächsten Teil über den eigentlichen Beginn der finnischsprachigen Literatur.

Quellen:

Laitinen, Kai: Finnische Literatur im Überblick. Aus dem Finnischen von Justa Holz-Mänttäri. Helsinki: Otava Verlag 1989.

Lassila, Pertti: Geschichte der finnischen Literatur. Aus dem Finnischen von Stefan Moster. Tübingen: Francke 1996.

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