Jugendschutz in Finnland
29. November 2009 um 12:00 | Veröffentlicht in Film, Politik | Hinterlasse einen KommentarSchlagwörter: alkohol, Altersgrenzen, Film, FSK, Jugendschutz, Pornographie, VET, Zensur
Manche von euch haben vielleicht vor einigen Wochen die Sendung ‚Genial Daneben‘ gesehen und sich über die finnische Frage dort gefreut. Es ging nämlich um das finnische Pendant zur FSK. Diesen Anlass nutzen wir heute um euch die Selbstkontrolle bei Filmen und Spielen näher zu bringen und auch einmal über das Thema Zensur in Finnland zu sprechen und die Medienlandschaft etwas näher zu beleuchten.
Für Filme, ob nun auf DVD oder im Kino, und auch für Spiele oder generell für Medien im weitesten Sinne, gibt es in Finnland Kontrollinstanzen. Für die Altersfreigaben im Bereich Film und Fernsehen ist die Valtion Elokuvatarkastamo (VET) zuständig, die staatliche Filmkontrolle.
Wie in Deutschland von der FSK auch, werden Filme, bevor sie in den Verkauf oder ins Kino gelangen, von der VET überprüft und eingestuft. Die Altersbegrenzungen sind bindend und werden stark kontrolliert. Eingeteilt sind diese Altersbegrenzungen in die Abschnitte ab drei, sieben, elf, 13, 15 und 18, wenn die Filme von der VET überprüft wurden. Wenn der Filmverleih auf eine Einstufung verzichtet, ist der Film automatisch ab 18. Da Einstufungen den Verleih Geld kosten, verzichten manche auf die Überprüfung durch die VET, wie zum Beispiel der Verleih von „Unsere kleine Farm“ – was zur Folge hat, dass eben jene Serie in Finnland ab 18 verkauft wird.
Die einzige Ausnahme bezüglich der Altersbegrenzungen ist ähnlich geregelt wie bei uns: Unter Begleitung eines Erziehungsberechtigten dürfen Kinder bis zu zwei Jahre früher in einen Film – also ein 13-jähriger kann mit seinem Vater in einen Film ab 15 gehen. Allerdings gilt diese Regel nicht bei Filmen mit Freigabe ab 18.
Jugendschutz in Finnland ist noch an anderen Stellen angebracht, wie zum Beispiel beim Alkohol. Finnland hat den Ruf, dass Alkohol im Land gekauft fast unbezahlbar ist. Außerdem wird Alkohol ab 4,9% nur noch in Läden des staatlichen Kette Alko verkauft. Diese Tatsachen blicken auf eine Lange Entwicklung zurück, die damit begann, dass das Schnapsbrennen per Gesetz ab 1866 verboten war. Trotz zahlreicher Proteste wurden auch regionale Alkoholverbote eingeführt, so dass gegen Ende des 19. Jahrhunderts Finnland, mit 1.5l pro Kopf Verbrauch, das trockenste Land weltweit war. Die Arbeiterbewegung sprach sich schon 1906 für ein landesweites Alkoholverbot aus, umgesetzt wurde dies aber erst 1919.
Durch das generelle Verbot entwickelte sich ein blühender Handel und Schmuggel und erst 1932 wurde das Verbot in Städten wieder aufgehoben, auf dem Land sogar erst 1968. Herstellung und Handel unterliegen seitdem dem Alko-Monopol.
Die 15- uns 16-jährigen bilden derzeit dennoch die Gruppe der stärksten Alkoholkonsumenten, auch wenn sie – ähnlich wie in Deutschland – noch keinen Alkohol kaufen und konsumieren dürften. Selbst Verkauf von Bier oder niedrigprozentigem Alkohol ist erst ab 18 Jahren freigegeben.
Weitere Bereiche für den Jugendschutz findet man im Internet. Aber auch das Internet für sich genommen bietet schon genug Handlungsspielraum. Wie wir bereits berichtet hatten, versucht man in Finnland auch die Polizei „online“ zu bekommen, so dass man mit den Bürgern in besserem Kontakt steht. Außerdem wird in Finnland auch das Internet auf jugendgefährdende Inhalte überwacht und bei manchen Dingen wird gegebenenfalls auch eine Sperre verhängt.
So sind Seiten mit Kinderpornographie in der Theorie in Finnland nicht aufrufbar – soweit sie denn bereits gemeldet und gesperrt wurden. Des Weiteren werden auch andere Homepages gesperrt, wenn es den zuständigen Behörden sinnvoll erscheint. So zum Beispiel Seiten, die auf kinderpornographische Inhalte verlinken.
Im Dezember 2007 schickte die Keskusrikospoliisi (dt.: nationale Ermittlungsbehörde) daher eine ‚Schwarze Liste‘ mit zu sperrenden Seiten an Finnland Internetprovider. Die Sperrung der Seiten war freiwillig, das Kommunikationsministerium drohte aber die Sperrungen verpflichtend zu gestalten, sollte ihnen nicht nachgekommen werden.
Nachforschungen in Finnland ergaben, dass ein Großteil dieser Seiten allerdings keine Kinderpornographie, sondern lediglich legale Pornographie enthielt und es somit eigentlich keine Beanstandung geben dürfte. Zumal auch einige Seiten zu sperren waren, die überhaupt keine pornographischen Inhalte hatten. Aufgrund dieser Entdeckungen wurde Rufe bezüglich der Zensur laut. Man wirft der Regierung vor, Seiten gezielt vom finnischen Volk fernzuhalten, obwohl dafür keine juristischen Gründe vorliegen.
So wurde auch die Seite die über diese angebliche Zensur berichtete auf die ‚schwarze Liste‘ der Polizei gesetzt und kann daher nur noch über bestimmte Provider eingesehen werden. Mitglieder der Regierung und der Polizei sind über diese Sperrung geteilter Meinung. Der Streit über diese Jugendschutzmethoden hält weiterhin an und ist sicherlich auch mit kritischen Blicken zu betrachten.
Quelle:
lapsiporno.info
effi.org
vet.fi
finn-land.net
Finnischer Film in deutschen Kinos
22. Oktober 2009 um 10:18 | Veröffentlicht in Film, Termine | Hinterlasse einen KommentarSchlagwörter: Der Besucher, Valkeapää
Am 05. November 2009 startet der finnische Film Der Besucher in deutschen Kinos. Es ist der erste Langfilm des Regisseurs Jukka-Pekka Valkeapää. Manche kennen vielleicht seinen Kurzfilm “The Fall”, der einige Auszeichnungen gewonnen hat.
Hier die Inhaltsangabe zu “Der Besucher” von farbfilm-verleih:
“Finnland, erste Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ein zehnjähriger, stummer Junge lebt mit seiner jungen Mutter auf einem kleinen Hof inmitten der wilden finnischen Wälder. Seinen Vater sieht er selten: Der brutale Mann sitzt im weit entfernten Gefängnis ein. Als plötzlich ein Fremder mit einer Notiz des Vaters und einer Schußwunde in der Seite auf dem Hof auftaucht, gerät alles aus den Fugen. Das Schicksal ist nicht aufzuhalten…”
Auf der oben verlinkten Seite findet ihr außerdem Trailer und Fotos.
Aki Kaurismäki und sein Hamlet
4. Oktober 2009 um 09:00 | Veröffentlicht in Film | Hinterlasse einen KommentarSchlagwörter: Aki Kaurismäki, finnischer Film, Hamlet, Johnny Depp, Kati Outinen, Kaurismäki, Metti Pellonpää, Shakespeare, Timo Salminen, William Shakespeare
Nachdem es vor zwei Wochen hier eine Einleitung zum Thema finnischer Film von mir gab, steigen wir heute etwas tiefer in die Materie ein und beleuchten heute einen der bekanntesten Regisseure Finnlands. Ich möchte euch heute einen Einblick in das Leben und die Filme von Aki Kaurismäki geben und einen seiner Filme dann noch ein wenig unter die Lupe nehmen.
Zu seiner Person selbst ist zu sagen, dass er im April 1957 in Orimattila (natürlich in Finnland) geboren wurde. Er hat in Helsinki Literatur- und Kommunikationswissenschaften studiert und sich durch verschiedene Aushilfsjobs über Wasser gehalten. Über diese verschiedenen kleinen Jobs ist er dann auch zu einem Magazin gekommen und hat Filmkritiken geschrieben, was letztlich seinen Weg in die Filmwelt geebnet hat. Er begann dann Drehbücher zu schreiben und seine ersten Erfahrungen im Bereich Film zu machen. Seit 1990 lebt er mit seiner Frau in Portugal, kehrt aber für seine Filmprojekte nach Finnland zurück – laut ihm der einzige Ort an dem er Filme machen kann. Kaurismäki spielt in vielen seiner Filme selbst kleine Statistenrollen – als Hommage an Alfred Hitchcock.
Er arbeitet in den meisten seiner Filme mit den gleichen Leuten zusammen. So sind fast alle Filme mit dem gleichen Kameramann (Timo Salminen) entstanden und auch viele der Schauspieler tauchen immer wieder in seinen Filmen auf, so wie etwa Kati Outinen und Matti Pellonpää. Einer der bekanntesten Filme, mit Gastauftritt von Johnny Depp, ist wohl L.A. without a Map.
Auch außerhalb Finnlands ist Kaurismäki verhältnismäßig bekannt, was vor allem an seinem Filmstil liegt, der häufig Aufsehen erregt. Vor allem eins ist sehr offensichtlich in seinen Filmen: Sie sind sparsam. Viele seiner Filme werden daher als Anfängerfilme gesehen, oder auch als Low Budget Produktionen. Oft sind seine Filme aber auch dazu noch skurril und merkwürdig. Gerüchten zu Folge nutzt Kaurismäki auch fast ausschließlich das erste Take einer Szene, soweit kein technisches Problem vorliegt; nicht wie es meist üblich ist, eine Szene 30 Mal zu wiederholen.
Ganz gegenteilig zum Stil von normalen Filmen, sind seine Hauptrollen meist Außenseiter. Bissiger, bis zuweilen auf Unverständnis treffender Humor ist keine Seltenheit bei ihm. Die Kombination aus all diesen Faktoren macht Kaurismäkis Erzählstil im Sinne der Glamour-Filmwelt selbst zum Außenseiter.
Die finnische Mentalität und das Finnland, was Kaurismäki darstellt, gibt es in der Form nicht. Auch wenn viele Nicht-Finnen mit dieser Erwartung nach Finnland kommen, es ist kaum eine natürliche Darstellung bei Kaurismäki, meist ist es übertrieben.
Einen dieser „merkwürdigen“ Filme möchte ich noch etwas näher beleuchten, nämlich Kaurismäkis Adaption von Shakespeares Drama Hamlet. Sicherlich ist Hamlet eins der meist besprochenen und vermutlich auch verfilmten Dramen schlechthin und es gibt auch in Deutschland ein paar doch eher ‚interessante‘ Adaptionen. Worauf man bei Kaurismäkis Version allerdings ganz klar nicht warten sollte ist Shakespeares Tiefgründigkeit, zumindest nicht so, wie man sie wahrscheinlich nach dem Stück erwarten würde.
Die Rahmenhandlung des Dramas – und vor allem die vielen Toten – sind auch bei Kaurismäki geblieben. Wobei aber die Handlung ein wenig moderner adaptiert wurde: Das Königreich Dänemarks des Originals schwand zu Gunsten einer finnischen Firma, dessen Chefetage durch Hamlet und seine Familie besetzt ist, ähnlich auch der Verfilmung The Denmark Cooperation mit Ethan Hawke. Die zwischenmenschlichen Beziehungen Hamlets beziehungsweise aller Personen sind auch in Kaurismäkis Version geblieben, wirken aber meist viel „platter“ und simpler als im Stück selbst.
Das Herausragende, was bei Shakespeares Stück immer im Vordergrund stand, ist Hamlets Melancholie. Er ist sich seiner Rolle nicht bewusst, er zögert, er kann seine Gefühle nicht verarbeiten und nicht verstehen. Die Selbstgespräche, die er mit sich führt, sind seine Versuche seine Gedanken zu ordnen. Kaurismäki beraubt Hamlet förmlich dieser Selbstzweifel. Sein Hamlet wirkt eher ein wenig zurückgeblieben und als ob ihn manche Sachen einfach nicht tangieren. Wenn er zweifelt, dann an seinem Aussehen. Zwar scheint dies eine modernere Interpretation zu sein, aber das was Shakespeare noch in Hamlet sah, will Kaurismäki ihm wohl nicht mehr zugestehen.
Typisch für die Kaurismäkifilme und hier auch wieder genutzt – der Hauptdarsteller bildet den Außenseiter des Films. Er ist der Antiheld, dem man zu Beginn nicht zutraut, die bösen Machenschaften des Onkels überhaupt zu durchschauen. Als er dann doch hinter die Pläne kommen kann, löst auch das keine Emotionen in ihm aus. Er überlegt dann zwar, wie er seinen Onkel aufhalten kann – und entwickelt äußert kluge Ideen, aber besonders wütend scheint er nicht zu sein. Wenn im Film Emotionen vorkommen, so sind sie für seinen eigenen Plan den Onkel hinters Licht zu führen gespielt.
Man kann also sagen: Es ist zwar Shakespeare, aber doch auch nicht. Die Geschichte stimmt, auch macht Hamlet deutlich eine Entwicklung durch, aber auf einer ganz anderen emotionalen Ebene. Hamlet scheint – nicht wie man vielleicht bei einer finnischen Version erwartet hätte – keine Melancholie zu haben, eigentlich kaum wirkliche Gefühle. Kaurismäki unterscheidet sich so deutlich von anderen Adaptionen des Stücks, vor allem natürlich von denen des Mainstreams. Dennoch bleiben so Hamlet und Kaurismäki in diesem Sinne ihrer Rolle als Außenseiter treu.
Generell noch ein Wort zum Thema Adaption zum Schluss: Die Intention, die ein Autor mit seinem Werk verfolgt, kennt auch nur der Autor. Alle anderen lesen in einem Stück vielleicht ganz andere Dinge und meinen dann, sie hätten das Drama richtig interpretiert. Es gibt daher bei Interpretationen generell erst mal kein wahr oder falsch – maximal ein aus Subjektivität heraus entstandenes gefällt oder gefällt nicht. Kaurismäki kann also Shakespeare nicht falsch adaptieren, sondern maximal anders. Wobei in den meisten Filmtheorien davon ausgegangen wird, dass man einen Film nicht als Adaption verstehen sollte, sondern eher als eigenes Werk, dessen Ursprung und Basis durch ein Stück geformt wurden, dem aber ein eigener Werktext zu Grunde liegt. Siehe hierzu auch Schachtschabel, Gaby: Der Ambivalenzcharakter der Literaturverfilmung, Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH, 1984.
Falls euer Interesse an finnischem Film nun geweckt ist: Hier könnt ihr shoppen gehen.
Sonstige Quellen: aki-kaurismäki.de
schneeland.com
Jochen Werner: Aki Kaurismäki, Mainz, Bender 2005
Beate Rusch (Hrsg.): Schatten im Paradies. Von den „Leningrad Cowboys“ bis „Wolken ziehen vorüber“ – Die Filme von Aki Kaurismäki. Berlin, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag 1997
Film in Finnland
20. September 2009 um 09:00 | Veröffentlicht in Film, Geschichte, Persönlichkeiten | 2 KommentareSchlagwörter: Aki Kaurismäki, der unbekannte Soldat, finnischer Film, Johnny Depp, Mika Kaurismäki, Renny Harlin, Rukajärven tie, Spede Pasanen, Synchronisation, Turhapuro, Väinö Linna
Heute gibt es für euch mal ein gänzlich anderes Thema zu lesen – einen längeren Beitrag von mir zum Thema „Finnischer Film“. Gerade weil wir uns bemühen wollen, Finnland von vielen Seiten zu zeigen, lag es nahe, sich auch einmal mit dem Thema Film auseinanderzusetzen und zu schauen, was es zu diesem Thema alles gibt. Heute gibt es die Einleitung zum Thema Film in Finnland, in zwei Wochen schauen wir uns einen bestimmten finnischen Filmemacher dann einmal genauer an.
Generell hat Finnland eine doch sehr ausgeprägte Filmszene und auch – ähnlich wie in Deutschland – mehrere landeseigene Produktionen pro Jahr, die auch in die Kinos kommen; wobei die Anzahl in Deutschland sicherlich größer ist.
Schwedische und Finnische Filme laufen im Kino und im Fernsehen immer als Original, eventuell noch mit der jeweils anderen Sprache als Untertitel. Aller anderen Filme bleiben ebenfalls in der Originalsprache und werden dann zweisprachig – Finnisch und Schwedisch – untertitelt. Es gibt also meist einen großen Anteil an englischsprachigen Filmen im finnischen Kino, manchmal auch ein paar spanische, französische oder deutsche – wobei wirklich nicht synchronisiert wird. Im finnischen Fernsehen gibt es auch noch mehrere russische Produktionen. Die einzige Ausnahme für Synchronisation bilden Kinderfilme und -serien, die ‚eingefinnischt‘ werden, da Kinder die Untertitel auch noch nicht lesen könnten und noch keiner weiteren Sprache mächtig sind.
Aus Kosten- & Sprachgründen wird auf Synchronisation verzichtet. Argumentiert wird bei Nichtsynchronisation mit der Tatsache, dass Finnen allgemein eine sehr hohe Schuldbildung erfahren und daher dem Englischen vertraut sind. Andersherum muss man auch sehen: Wer ins Kino möchte, wird zwangsläufig etwas Englisch verstehen müssen, damit er Spaß am Film haben kann.
Nun ein kurzer Blick auf die Geschichte des Films in Finnland, für mehr Details empfehle ich hier zu lesen.
Das Hoch des finnischen Films liegt in den 30er und 40er Jahren. Die Filme haben meist auch international einen Stellenwert, auch wenn sie aufgrund der Sprache nur mit Untertitelung zugängig sind. Vor allem Literaturverfilmungen und patriotisch/historische Werke werden in dieser Zeit produziert. Thematisch liegt hier ‚das Leiden der Bevölkerung‘ im Trend, aber auch Parodien auf die Kriege. Weiter geht es dann mit romantischen Bauernfilmen, die vor allem auf den Gegensatz zwischen Stadt und Land abzielen. Die Filme dieser Zeit werden auch heute noch regelmäßig im finnischen Fernsehen gespielt.
Das Werk der 50er Jahre ist die Romanverfilmung von Väinö Linnas “Der unbekannte Soldat”. Die Erfahrungen aus dem Krieg wurden hier verarbeitet, am Beispiel von Soldaten an der nordkarelischen Front. Sowohl Roman als auch Film sind wichtiger Bestandteil des kollektiven Bewusstseins in Finnland.
Die Herstellung und die Thematik verlieren in den 60er und 70er Jahren an Potential, Ausnahme bildet hier noch Regisseur Risto Jarva, dessen Filme auch in Deutschland liefen. Ab 1975 gab es dann die Turhapuro-Filme, die fast als einzige Filme in Finnland Geld einspielten. Diese Filme von Spede Pasanen waren eher eigenwillig und meist Spaßproduktionen, allerdings auch massentauglich.
In den 80er Jahren begann dann die Zeit von Mika und Aki Kaurismäki. Zuerst gab es mehrere Gemeinschaftsproduktionen, später trennten sich ihre Wege aber. Mika arbeitet vorwiegend im Ausland bei internationalen Produktionen, Aki ist bei der finnischen Mentalität geblieben – aber darüber gibt’s nächste Woche mehr. Einer der bekanntesten Filme ist dann aber noch zu nennen: L.A. without a Map, in dem sogar Johnny Depp auftaucht. Hier zu erwähnen wäre auch noch der Finne Renny Harlin, der unter Anderem beim Actionfilm Die Hard 2 Regie geführt hat.
Mittlerweile ist der finnische Film international, was durchaus auch auf die Kaurismäkis zurück zu führen ist. Das Niveau kann sich dem Vergleich durchaus stellen und mittlerweile sind finnische Filme auch kommerziell erfolgreich. Viele Filme aus der heutigen Zeit – von den 90ern an – sind allerdings eher vergangenheitsgerichtet. Einer der bekannteren Filme aus der neueren Zeit und gleichzeitig ein Beispiel für thematische Rückwärtsgewandheit ist Rukajärven tie, der sich mit der Thematik des Winterkriegs auseinandersetzt. Auch ein sehr aktueller Film, Die Jungs aus Skavaböle, schließt sich diesem Trend an.
Wichtig zu nennen wären hier beispielsweise noch Der Mann ohne Vergangenheit, Liebe in Helsinki, Hinfahrt Mombasa und Von Perlen und Säuen, zu denen ihr hier noch ein paar Informationen findet. Man ist mittlerweile thematisch etwas breiter gefächert, so dass unter Anderem auch Themen wie Jugendkultur und Gegenwartsdarstellung in aktuellen Filmen auftauchen.
Quellen:
schneeland.com
Die Jungs aus Skavaböle
7. September 2009 um 10:12 | Veröffentlicht in Film | 1 KommentarSchlagwörter: Antti Raivio, Drama, Film, Finnkino, Martti Suosalo, Skavaböle, Skavabölen pojat
Seit dem 04. September läuft in den finnischen Kinos der Film “Die Jungs aus Skavaböle”, im Original Skavabölen pojat. Skavaböle gehört zur urbanen Region Helsinki.
Der Film erzählt aus dem Leben der beiden Brüder Rupert und Evert.
Finnkino zu Folge ist der Film ein eher tragisches Werk, das aber auch warmherzig ist.
Die Geschichte zeigt das Familienleben und dessen Zerfall in den 70er und 80er Jahren in Finnland.
Der Film basiert auf dem gleichnamigen, erfolgreichen Werk von Antti Raivio.
Die erwachsenen Brüder werden gespielt von Lauri Tilkanen und Iiro Panula, als Kinder dargestellt von Ilmari Järvenpää und Onni Tommila. Die Rolle der Mutter wird übernommen von Leea Klemola, den Vater spielt Martti Suosalo.
Regie führte Zaida Bergroth, die unter anderem für ihre Kurzfilme Heavy Metal (2006) und Lasileuka (2004) ausgezeichnet wurde.
Den Trailer gibt es hier: Klick
Quelle:
finnkino.fi
Die Mumins
2. August 2009 um 12:41 | Veröffentlicht in Film, Literatur, Persönlichkeiten | Hinterlasse einen Kommentar„Ach, die kommen aus Finnland?!“, stellte schon so mancher erstaunt fest, als er nach Jahren die Figuren seiner Kindheit wieder traf. Spätestens wenn man den Flughafen Helsinki-Vantaa betritt, kann man es gar nicht mehr übersehen. An jeder Ecke begrüßen einen die von der finnlandschwedischen Schriftstellerin Tove Jansson erschaffenen Trolle.
Wer mit dem Begriff „Mumin“ (fin. Muumi, engl. Moomin) so spontan gar nichts anfangen kann, erhält vielleicht ein Aha-Erlebnis, wenn er einmal ein Bild betrachtet.
Dass hinter den niedlichen Trollwesen tatsächlich noch viel mehr steckt als ein Werbeprodukt der finnischen Tourismusbranche und eine Zeichentrickserie, soll in den nächsten Zeilen beleuchtet werden.
Zuerst einmal ein paar Informationen über die Mumintrolle an sich, um die eventuell vorhandene Erinnerung aus der Kindheit etwas aufzufrischen. Die Mumins sind circa 50 cm große, empfindsame und sanfte Wesen mit weichem, hellem Fell und einem Trollschweif. Sie unterscheiden sich somit von den aus der nordischen Mythologie bekannten Trollwesen. Die wichtigsten Figuren sind Mumintroll, der mit Muminmama (mit Schürze und Handtasche) und Muminpapa (mit Zylinder) im Muminhaus lebt. Zeitweise leben dort auch Schnüferl als eine Art Adoptivbruder, Mumins Freundin Snorkfräulein (mit Haarpony und Fußreif) und der freiheitsliebende Schnupferich/Snufkin. Außerdem gibt es die stets durch freche Sprüche auffallende kleine My. Die Namen wurden je nach Übersetzer unterschiedlich ins Deutsche übertragen.
Die Welt der Mumins ist das Mumintal, eine Gegend irgendwo in Finnland an der Schärenküste. Tove Janssons Vorbild hierfür war eine Kindheitserinnerung an das Anwesen ihrer Verwandten in den Stockholmer Schären.
Tove Jansson war eine finnlandschwedische Schriftstellerin, das heißt ihre Muttersprache war Schwedisch und in dieser Sprache hat sie auch ihre Bücher verfasst. Sie ist am 9. August 1914 in Helsinki geboren und am 27. Juni 2001 am gleichen Ort gestorben. Sie stammte aus einem künstlerisch geprägten Haushalt und veröffentlichte schon im jugendlichen Alter Illustrationen. Tove Jansson strebte weniger große Berühmtheit an, als sich zurückgezogen, im engsten Kreise der Familie, in Ruhe ihrem künstlerischen Schaffen zu widmen. Daher widersetzte sie sich auch sehr lange der Kommerzialisierung ihrer Muminwesen und stand vielen Umsetzungen kritisch gegenüber.
Von 1945 bis 1970 erschienen neun Muminbücher. 1954 kamen diese erst nach Deutschland, allerdings wurden die ersten zwei noch viel später übersetzt. Ein Experte der skandinavischen Literatur äußerte die Ansicht, dass diese zwei Werke nicht so lesenswert seien wie die folgenden. Hierzu sollte wohl jeder sein eigenes Urteil bilden.
Der Titel des ersten Buches lautet „Mumins lange Reise“ („Småtrollen och den stora översvämningen“, 1945), der des dritten Buches „Die Mumins. Eine drollige Gesellschaft“ („Trollkarlens hatt“, 1948). In jedem Fall lohnt es sich, die Geschichten zu lesen. Für des Schwedischen Mächtige auch unbedingt im Original. Ein Versuch lohnt meiner Einschätzung nach ab dem ersten Lernjahr.
Die ersten fünf Bücher werden allgemein als Kinderbücher angesehen. Die folgenden beschäftigen sich immer stärker mit dem Innenleben der Figuren. Ein häufiges Motiv ist das Auftauchen einer äußeren Bedrohung, die überstanden wird.
Neben diesen Büchern gibt es auch lange Zeit in Vergessenheit geratene Comics. Tove Jansson schrieb diese ab 1954 für die London Evening News des britischen Zeitungssysndikats Associated Newspaper. Später übergab sie diese Arbeit an ihren Bruder Lars. Einige Comics sind hier zu finden.
Die Comics unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von den Büchern. Sie behandeln eher aktuelle Themen und eröffnen zudem viele Details über die Charakterzüge der Mumintrolle. Teilweise gibt es Widersprüche zu den Büchern.
Hiernach wurde der Muminstoff immer wieder neu verwertet. In den 60er Jahren wurde er von der Augsburger Puppenkiste aufgegriffen, in den 70er und 80er Jahren folgte eine Polnisch-österreichische Puppentrickserie (komplett auf DVD erschienen). Am bekanntesten ist allerdings wohl die japanische Muminproduktion im Anime-Stil. Es gab drei verschiedene Serien, die erste aus dem Jahr 1969, die zweite von 1972, hierzulande bekannt ist aber wohl nur die aus den 90er Jahren. Die Trolle und ihre Welt wurden – typisch Anime – stark verniedlicht dargestellt. Tove Janssons Begeisterung weckte dies nicht, auch weil die Geschichten abgewandelt wurden.
Wer Originalillustrationen von Tove Jansson bewundern möchte, sollte einmal einen Ausflug nach Tampere machen. Dort gibt es seit 1987 ein Mumin-Museum, in dem viele Zeichnungen und Skulpturen gezeigt werden. Wer es kommerzieller mag, sollte nach Naantali in den Mumin-Freizeitpark fahren.
Besonders beachtenswerte und erfolgreiche Kommerzprodukte sind die Mumin-Briefmarken, welche die finnische Post alle paar Jahre herausgibt und die Geschirrgarnitur der finnischen Design-Firma Arabia. Darüber hinaus gibt es noch unzählige weitere Produkte, die von den Mumintrollen – meist leider in niedlicher japanischer Version – geschmückt werden.
Quellen:
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