Nationalfeiertag

6. Dezember 2009 um 12:36 | Veröffentlicht in Geschichte, Kultur, Persönlichkeiten | Hinterlasse einen Kommentar
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Vor nun 92 Jahren erlangte Finnland Unabhängigkeit von Russland, dessen Großfürstentum  das Land gewesen war. Am 6. Dezember 1917 verabschiedete das Parlament eine Unabhängigkeitserklärung. Diese wurde am 31. Dezember des gleichen Jahres bei einem Treffen zwischen damaligem Senatspräsidenten Svinhufvud und Lenin in Petrograd förmlich anerkannt. Viele  Europäische Länger, so wie Deutschland und die skandinavischen Länder, folgten kurz darauf mit der Anerkennung von Finnlands Souveränität. Nur Großbritannien und die Vereinigten Staaten warteten noch bis 1920 die Unabhängigkeit rechtlich anzuerkennen. Der erste Präsident der jungen Republik wurde 1919 Kaarlo Juho Stålberg.

Der 6. Dezember wird seit einigen Jahrzehnten als Finnlands Nationalfeiertag begangen. Das Fest ist sehr patriotisch geprägt. Es gibt Empfänge, Paraden, Fackelzüge der Studenten und Festtagsgottesdienste. Es ist Brauch, an diesem Tag zwei Kerzen ins Fenster zu stellen.

Mit großer medialer Aufmerksamkeit wird der alljährliche Ball im Palais der Präsidentin verfolgt. Zwischen 1600 und 2000 Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Sport werden dort empfangen. Im Vorfeld gab es aufgrund der allgemeinen Schweinegrippe-Hysterie Diskussionen darüber, ob der Ball ein zu großes Risiko darstelle. Die Veranstaltung findet aber wie gewohnt statt. Die Feierlichkeiten werden im Fernsehn wie im Internet von vielen Zuschauern live mitverfolgt.

Die Präsidentin beim Empfang

Wintersport in Finnland

22. November 2009 um 13:50 | Veröffentlicht in Geschichte, Sport | Hinterlasse einen Kommentar
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Es ist wieder so weit: Wintersportsaison! Ganz vorne mit dabei ist natürlich auch Finnland. Wohl aufgrund seiner nördlichen Lage dürfen finnische Städte früh zu Beginn und dann wieder gegen Ende Gastgeber sein. Als nächstes kann man das Städtchen Kuusamo, bzw. das dort gelegene Wintersportzentrum Ruka im Fernsehen begutachten. Hier findet seit 2002 der Weltcup-Auftakt im Skispringen (fin.: mäkihyppy), Skilanglauf (fin.: maastohiihto) und in der Nordischen Kombination (fin.: yhdistetty kilpailu) statt. In diesem Jahr ist das vom 26. – 29. November. Das genaue Programm findet sich hier: www.nordicopening.com

Kuusamo liegt in der Provinz Oulun Lääni, 100 km südlich vom Polarkreis und nahe der Grenze zu Russland. Das Gebiet ist eins der schneereichsten Finnlands. Die erste Piste von Ruka wurde im Jahr 1954 eingeweiht. Der erste Skilift folgte 1957. Dieser Lift war 310 Meter lang und brauchte pro Strecke eine Minute und 20 Sekunden. 80-90 Wintersportler konnten so in einer Stunde befördert werden.

Etwas weiter südlich, bei der Stadt Kuopio,  befindet sich ein weiteres großes Wintersportgebiet: Puijo. Der Hügel ist gut zu erkennen am großen Aussichtsturm, von dem aus man die schöne Seenlandschaft rundherum bewundern (und besonders gut fotografieren) kann. Auf, bei und um Puijo gibt es mehrere Skisprungschanzen, zwei Skipisten und ein weites Loipennetz. Ganz mutige Skisprungfans haben die Möglichkeit unter Anleitung von einem Trainer selbst einmal auf einer kleinen Schanze einen Sprung zu wagen.

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Skisprung hat eine lange Tradition in Kuopio. Der erste Skisprungwettkampf fand bereits 1886 statt. Die erste richtige Schanze wurde im Jahr 1901 gebaut. 1949 wurde die erste große Schanze gebaut. Sie war aus Holz und der erste Rekord auf ihr betrug 86 Meter. Später wurde auch die 100 Meter Marke geknackt. In den 70er Jahren bekam diese Schanze einen „Plastik-Überzug“, sodass man ab nun auch im Sommer trainieren konnte. Der erste Weltcup fand im Jahr 1995 in Puijo statt, weil es in diesem Jahr sehr warm war und es in Mitteleuropa zu wenig Schnee gab, um irgendwelche Skisportwettkämpfe zu veranstalten. Der nächste Weltcup ist am 8. und 9. März 2010 in Puijo. Das genaue Programm ist hier zu finden: imanager.ip-finland.com/puijon_hiihtoseura

Ein drittes großes Skisportgebiet Finnlands befindet sich in Lahti. Die Stadt liegt nur 100 km nördlich von Helsinki und ist vermutlich aufgrund dieser sehr leichten Erreichbarkeit besonders bekannt und beliebt bei internationalen Gästen. Skispiele in Lahti gehen auf das Jahr 1923 zurück. Ein Herr Lauri Pihkala hatte damals die Idee, Lahti als Skisportort zu etablieren, weil die Stadt recht zentral liegt und die Landschaft vielfältige Möglichkeiten bietet. Die ersten großen Winterspiele fanden schon bald darauf, im Jahr 1926, unter dem Namen Kongress Games statt. 15 Nationen fanden damals ihren Weg nach Lahti und das Gebiet gewann größere Bekanntheit, die seit dem – mit Unterbrechung durch den Krieg – stetig zunahm.

In Lahti gibt es nahe der Skisportzentrums für theoretisch Interessierte ein Skimuseum, wo man unter anderem einen Skisprungsimulator ausprobieren kann. Eine raffinierte Idee ist zudem, dass das Skistadion im Sommer zu einem Schwimmbad umgebaut wird. Das heißt Schwimmen am Fuße der Skisprungschanzen.

Der nächste Weltcup in Lahti findet vom 4. März bis zum 7. März 2010 statt. Das Programm gibt es auf dieser Seite: lahtiskigames.com

Quellen: http://www.skispringen.com , lahtiskigames.com, puijon hiihto seura, www.nordicopening.com

Geschichte der Kaffee-Weltmeister

4. November 2009 um 19:42 | Veröffentlicht in Essen, Geschichte, Kultur | Hinterlasse einen Kommentar
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Finnland ist ein Land vieler Rekorde und auch für Besucher schnell ersichtlich ist die Liebe zum Kaffee. Laut Statistik ist Finnland das Land mit dem höchsten Kaffeekonsum pro Kopf: An die fünf Tassen des bitteren Getränks verdrückt ein Finne statistisch pro Tag.

Kaffee war nicht immer so leicht zu bekommen und sein Genuss hatte auch nicht grundsätzlich bei jedem so ein hohes Ansehen. Anfang des 18. Jahrhunderts fand er seinen Weg nach Finnland, allerdings zuerst in die Städte und höheren Sozialschichten. 1756 wurde sein Genuss dann aber erst mal im gesamten Schwedischen Reich (wozu Finnland gehörte) verboten – daran hat sich bloß kaum jemand gehalten. Ganze vier Mal hat man in Finnlands Zeit als Teil des Schwedischen Reichs (also bis 1809) den Kaffee verboten oder den Konsum mit hohen Steuern einzudämmen versucht. Offensichtlich erfolglos. Anfang des 19. Jahrhunderts breitete sich die Sitte des Kaffetrinkens auch auf die ländliche Bevölkerung aus und allmählich über das ganze Land.

Trotz seiner stetigen großen Beliebtheit war der Konsum des Kaffees nie so hoch wie heute, da er früher ein sehr teures Importgut war. 1819 wurde ein Kaffeeverbrauch von 25 Gramm pro Kopf und Jahr errechnet. Damals musste ein Arbeiter drei Tage lang voll arbeiten, um sich ein Kilo Kaffee leisten zu können. 1840 hatte sich dieser immense Preis bereits halbiert, während sich der Import versiebenfacht hatte. Noch besser wurden die Zeiten für Kaffeeliebhaber nachdem 1847 der British Navigation Act aufgehoben worden war und die Schiffahrer weniger Restriktionen ausgesetzt waren. 1860 betrug der durchschnittliche Konsum schon ein Kilo pro Kopf und raste bis heute weiter in die Höhe. Die Preise fallen derweil. Heute muss ein Finne nur noch eine Halbe Stunde arbeiten, um sich ein Kilo Kaffee leisten zu können.

Quelle: Alho, Olli (Hrsg.): Kulturlexikon Finnland, aus dem Englischen von Gisbert Jänicke, Helsinki. Finnische Literaturgesellschaft. 1998.

Finnische Regierung feiert 200-jähriges Bestehen

2. Oktober 2009 um 21:02 | Veröffentlicht in Geschichte, Kultur | Hinterlasse einen Kommentar

Finnlands Regierung feiert am heutigen Freitag 200-jähriges Bestehen. Die erste Versammlung der Regierung wurde im Herbst 1809 in Turku abgehalten. Damals ging Finnland Schweden verloren und wurde ein autonomes russisches Großfürstentum.

Dem Festtag zu Ehren wurde in Turku eine Gedenktafel an genau dem Ort ausgestellt, an dem sich das der Regierung vorausgehende Regierungskonzil vor 200 Jahre versammelt hatte.

Quelle: www.yle.fi

Finnlands Staatspräsidenten im Überblick II

28. September 2009 um 11:08 | Veröffentlicht in Geschichte, Persönlichkeiten, Politik | Hinterlasse einen Kommentar
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Hier folgt der zweite Teil der Übersicht über Finnlands Staatspräsidenten, diesmal von Carl Gustav Mannerheim bis Tarja Halonen. Der erste Teil des Artikels findet sich hier.

Carl Gustav Mannerheim 1944-1946
Mannerheim ist eine so schrecklich berühmte und wichtige Persönlichkeit, dass ich mich auf ein paar Stichworte beschränken muss. Zuerst mal war er lange beim Militär und spielte beim Bprgerkrieg 1918 eine wichtige Rolle. Er hatte den Oberbefehl über die sog. „weißen“ Truppen. Die besiegten „Roten“ wurden hinterher ziemlich grausam behandelt, wogegen Mannerheim wohl nichts unternommen hat. Im Winterkrieg war Mannerheim Oberbefehlshaber der finnischen Armee. Als Präsident von Finnland (1944-1946) brach er die Beziehungen zum Deutschen Reich ab und schloss dann direkt einen Waffenstillstand mit der Sowjetunion. Siehe dazu auch den Abschnitt über Risto Ryti.

Mannerheim



Juhu Kusti Paasikivi 1946-1956
Paasikivi hatte bis 1885 den noch nicht fennifizierten (also schwedischen) Namen Johan Gustav Hellsten. Er ist vor allem bekannt für die Aussöhnungspolitik mit der Sowjetunion. In den 1960ern und 70ern vollführte Finnland den Drahtseilakt, gleichzeitig gute politische Beziehungen zu Skandinavien (zur Sicherung von Finnlands Anschluss an Westeuropa) und dem mächtigen Nachbar Sowjetunion (zur Wahrung der finnischen Unabhängigkeit) zu halten.

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Urho K. Kekkonen 1956-1982
Es folgt ein weiterer, sehr wichtiger Mensch und einer der wenigen Namen, die man auch außerhalb Finnlands schon mal gehört hat. Kekkonen ist der am längsten amtierende Staatspräsident Finnlands. Nach seiner Amtszeit hat man darum festgesetzt, dass der finnische Präsident höchstens für zwei mal sechs Jahre regieren darf. Kekkonen führte die Politik Paasikivis fort, welche man deshalb Paasikivi-Kekkonen-Linie nennt. Beständig war er (sehr erfolgreich) um ein friedliches Verhältnis zur Sowjetunion und der Versicherung von Finnlands Neutralität bemüht, wobei er einen recht autoritären Regierungsstil pflegte. Kekkonen ist immer noch sehr beliebt in Finnland, da er den Land zu Aufstieg und Wohlstand verhalf.

Mauno Koivisto 1982-1994
Koivisto wurde Präsident, nachdem Kekkonen aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste. Er führte zuerst die Außenpolitik Kekkonens fort bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion. Danach unterstützte er zum Beispiel den EU-Beitritt Finnlands, der 1995 erfolgte.

Martti Ahtisaari 1994-2000
Ahtisaari ist außer Politiker auch noch Diplomat. 2008 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen. Er war zum Beispiel viele Jahre lang Namibia-Beauftragter der UNO. Auch war er beteiligt am Erreichen vom Ende des Bürgerkriegs in Aceh (Indonesien) im Jahr 2005. Später leitete er zudem die Verhandlungen über den zukünftigen Status vom Kosovo.

Tarja Halonen 2000-
Wir sind in der Gegenwart bei der aktuellen finnischen Präsidentin angekommen. Sie ist, wie vielleicht aufgefallen ist, die erste Frau, die dieses Amt bekleidet. Zuvor wurde sie bereits die erste weibliche Außenministerin in Finnland. Sie ist ein eher unkonventioneller Mensch, war zur Zeit ihrer Wahl alleinstehende Mutter, ist aus der Kirche ausgetreten, mag keine steif-feierlichen Zeremonien und setzt sich schon lange für Menschenrechte und Minderheiten, zum Beispiel Schwule und Lesben, ein. Gleichzeitig genießt sie großes Vertrauen, wodurch sie zum Beispiel im Jahr 2000 auf dem Millenniums-Gipfel der UNO gemeinsam mit Namibias Präsident Sam Nujoma den Vorsitz geführt hat.

Quelle: Ingrid Bohn – Finnland. Von den Anfängen bis zur Gegewart. In: Geschichte der Länger Skandinaviens. Herausgegeben von Jörg-Peter Findeisen. Regensburg: Verlag Friedrich Pustet, 2005.

Film in Finnland

20. September 2009 um 09:00 | Veröffentlicht in Film, Geschichte, Persönlichkeiten | 2 Kommentare
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Heute gibt es für euch mal ein gänzlich anderes Thema zu lesen – einen längeren Beitrag von mir zum Thema „Finnischer Film“. Gerade weil wir uns bemühen wollen, Finnland von vielen Seiten zu zeigen, lag es nahe, sich auch einmal mit dem Thema Film auseinanderzusetzen und zu schauen, was es zu diesem Thema alles gibt. Heute gibt es die Einleitung zum Thema Film in Finnland, in zwei Wochen schauen wir uns einen bestimmten finnischen Filmemacher dann einmal genauer an.




Generell hat Finnland eine doch sehr ausgeprägte Filmszene und auch – ähnlich wie in Deutschland – mehrere landeseigene Produktionen pro Jahr, die auch in die Kinos kommen; wobei die Anzahl in Deutschland sicherlich größer ist.
Schwedische und Finnische Filme laufen im Kino und im Fernsehen immer als Original, eventuell noch mit der jeweils anderen Sprache als Untertitel. Aller anderen Filme bleiben ebenfalls in der Originalsprache und werden dann zweisprachig – Finnisch und Schwedisch – untertitelt. Es gibt also meist einen großen Anteil an englischsprachigen Filmen im finnischen Kino, manchmal auch ein paar spanische, französische oder deutsche – wobei wirklich nicht synchronisiert wird. Im finnischen Fernsehen gibt es auch noch mehrere russische Produktionen. Die einzige Ausnahme für Synchronisation bilden Kinderfilme und -serien, die ‚eingefinnischt‘ werden, da Kinder die Untertitel auch noch nicht lesen könnten und noch keiner weiteren Sprache mächtig sind.
Aus Kosten- & Sprachgründen wird auf Synchronisation verzichtet. Argumentiert wird bei Nichtsynchronisation mit der Tatsache, dass Finnen allgemein eine sehr hohe Schuldbildung erfahren und daher dem Englischen vertraut sind. Andersherum muss man auch sehen: Wer ins Kino möchte, wird zwangsläufig etwas Englisch verstehen müssen, damit er Spaß am Film haben kann.




Nun ein kurzer Blick auf die Geschichte des Films in Finnland, für mehr Details empfehle ich hier zu lesen.
Das Hoch des finnischen Films liegt in den 30er und 40er Jahren. Die Filme haben meist auch international einen Stellenwert, auch wenn sie aufgrund der Sprache nur mit Untertitelung zugängig sind. Vor allem Literaturverfilmungen und patriotisch/historische Werke werden in dieser Zeit produziert. Thematisch liegt hier ‚das Leiden der Bevölkerung‘ im Trend, aber auch Parodien auf die Kriege. Weiter geht es dann mit romantischen Bauernfilmen, die vor allem auf den Gegensatz zwischen Stadt und Land abzielen. Die Filme dieser Zeit werden auch heute noch regelmäßig im finnischen Fernsehen gespielt.


Das Werk der 50er Jahre ist die Romanverfilmung von Väinö Linnas “Der unbekannte Soldat”. Die Erfahrungen aus dem Krieg wurden hier verarbeitet, am Beispiel von Soldaten an der nordkarelischen Front. Sowohl Roman als auch Film sind wichtiger Bestandteil des kollektiven Bewusstseins in Finnland.


Die Herstellung und die Thematik verlieren in den 60er und 70er Jahren an Potential, Ausnahme bildet hier noch Regisseur Risto Jarva, dessen Filme auch in Deutschland liefen. Ab 1975 gab es dann die Turhapuro-Filme, die fast als einzige Filme in Finnland Geld einspielten. Diese Filme von Spede Pasanen waren eher eigenwillig und meist Spaßproduktionen, allerdings auch massentauglich.


In den 80er Jahren begann dann die Zeit von Mika und Aki Kaurismäki. Zuerst gab es mehrere Gemeinschaftsproduktionen, später trennten sich ihre Wege aber. Mika arbeitet vorwiegend im Ausland bei internationalen Produktionen, Aki ist bei der finnischen Mentalität geblieben – aber darüber gibt’s nächste Woche mehr. Einer der bekanntesten Filme ist dann aber noch zu nennen: L.A. without a Map, in dem sogar Johnny Depp auftaucht. Hier zu erwähnen wäre auch noch der Finne Renny Harlin, der unter Anderem beim Actionfilm Die Hard 2 Regie geführt hat.


Mittlerweile ist der finnische Film international, was durchaus auch auf die Kaurismäkis zurück zu führen ist. Das Niveau kann sich dem Vergleich durchaus stellen und mittlerweile sind finnische Filme auch kommerziell erfolgreich. Viele Filme aus der heutigen Zeit – von den 90ern an – sind allerdings eher vergangenheitsgerichtet. Einer der bekannteren Filme aus der neueren Zeit und gleichzeitig ein Beispiel für thematische Rückwärtsgewandheit ist Rukajärven tie, der sich mit der Thematik des Winterkriegs auseinandersetzt. Auch ein sehr aktueller Film, Die Jungs aus Skavaböle, schließt sich diesem Trend an.
Wichtig zu nennen wären hier beispielsweise noch Der Mann ohne Vergangenheit, Liebe in Helsinki, Hinfahrt Mombasa und Von Perlen und Säuen, zu denen ihr hier noch ein paar Informationen findet. Man ist mittlerweile thematisch etwas breiter gefächert, so dass unter Anderem auch Themen wie Jugendkultur und Gegenwartsdarstellung in aktuellen Filmen auftauchen.

Quellen:
schneeland.com

Finnlands Staatspräsidenten im Überblick

13. September 2009 um 10:00 | Veröffentlicht in Geschichte, Persönlichkeiten, Politik | 1 Kommentar
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In diesem Artikel möchte ich einen kleinen Überblick über die Menschen geben, die bisher Finnlands Staatsoberhaupt waren bzw. sind. Unvermeidlich wird dies zugleich ein kleiner Geschichtsüberblick.
Der Präsident (offiziell: Präsident der Republik Finnland; finnisch: Suomen Tasavallan Presidentti; schwedisch: Republiken Finlands President) wird direkt vom Volk für eine Amtszeit von sechs Jahren gewählt. Seit 1994 darf er nicht öfter als für zwei Amtsperioden gewählt werden. Das genaue Wahlprozedere soll aber nicht Gegenstand dieses Artikels werden. Ich verweise auf unseren Artikel über das politische System Finnlands. Statt dessen sollen die bisherigen Präsidenten in Hinblick auf die „Taten“, durch die ihr Bild im Gedächtnis der Geschichte hauptsächlich geprägt wurde, vorgestellt werden.
Ich beginne mit den ersten fünf Präsidenten und die nächsten sechs folgen in zwei Wochen.



Kaarlo Juho Stålberg 1919-1925

Er war der erste Präsident der jungen Republik Finnland und kommt aus dem liberalen Umfeld. Am 6. Dezember 1917 hatte sich Finnland für unabhängig erklärt. Dann gab es noch einen unschönen, blutigen Bürgerkrieg. Aber schließlich bekamen die Republikaner Überhand und der erste Präsident konnte gewählt werden. Dem Inhaber des Amtes wurde verglichen mit anderen europäischen Demokratien relativ viel Macht übertragen (welche erst in den 90ern wieder eingeschränkt wurde). Stålberg verzichtete aber 1925 demonstrativ auf eine weitere Kandidatur. Später hat er es trotzdem noch mal versucht, unterlag aber knapp seinen Konkurrenten.
Ståhlberg




Lauri Kristian Relander 1925-1931
Der zweite Präsident Finnlands fand kaum Unterstützung und wurde eigentlich ständig kritisiert. Vor allem die Zeit unter den ersten zwei Präsidenten war durch viele Regierungsauflösungen gekennzeichnet. Bis zu Beginn des zweiten Weltkrieges gab es 22 Regierungen.




Pehr Evind Svinhufvud 1931-1937
Er war ein konservativer Politiker und seine Regierungszeit war geprägt von einer angespannten Stimmung zwischen den bürgerlichen Parteien und den Sozialdemokraten. Die Sozialdemokraten waren eigentlich stärkste Partei, aber ihnen wurde die Teilhabe an der Macht versagt. Das wurde Svinhufvud dann zum Verhängnis, er wurde 1937 nicht wiedergewählt.
Vor dem finnischen Parlamentsgebäude kann man eine große Statue von Svinhufvud bewundern.
Svinhufvud





Kyösti Kallio 1937-1940

Kallio war vor seiner Präsidentschaft Mitglied der Agrarischen Union, die später in Finnische Zentrumspartei umbenannt wurde. Unter ihm kam es dann zu einer Aussöhnungspolitik zwischen Links und Rechts und es gab zum ersten Mal eine Mitte-Links-Regierung. Industrieproduktion und Export konnten in dieser Zeit erheblich gesteigert werden. Die Gesellschaftspolitik erfuhr eine neue Ausrichtung nach Vorbild Schwedens. Es wurden auch neue Wege gegangen, den gesellschaftlichen Reichtum umzuverteilen, doch dann kam der zweite Weltkrieg dazwischen.
Kallio





Risto Ryti 1940-1944

Dieser finnische Politiker schloss einen Vertrag mit den Deutschen, nach dem die Deutschen Finnland im Fortsetzungskrieg gegen die Sowjetunion Waffenhilfe und Getreidelieferungen zusicherten, andererseits Finnland aber verpflichtete, keinen Waffenstillstand mit der Sowjetunion zu schließen, ohne Deutschland einzubeziehen. Glücklicherweise war juristisch gesehen nur Ryti an den Vertrag gebunden. Er trat unter einem Vorwand zurück, nachdem der Großangriff aus der Sowjetunion abgewehrt war. Carl Gustav Mannerheim hat dann den Waffenstillstand mit der Sowjetunion geschlossen. Risto Ryti wurde auf sowjetischen Druck hin zu zehn Jahren Haft wegen Kriegsverbrechen verurteilt,aber schon vier Jahre später wegen begnadigt.




Quelle: Ingrid Bohn – Finnland. Von den Anfängen bis zur Gegewart. In: Geschichte der Länger Skandinaviens. Herausgegeben von Jörg-Peter Findeisen. Regensburg: Verlag Friedrich Pustet, 2005.

Die Anfänge der finnischen und finnlandschwedischen Literatur

30. August 2009 um 17:10 | Veröffentlicht in Geschichte, Kultur, Literatur, Sprache | 2 Kommentare
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Literatur aus den nordischen Ländern erfreut sich immer größerer Beliebtheit in Mitteleuropa. Irgendetwas scheinen die skandinavischen und finnischen Autoren zu haben, das uns besonders anspricht. Ist es das besondere Lebensgefühl dort oben, welches durch die Werke vermittelt wird?

Wie sich die Eigenheiten der finnischen und finnlandschwedischen Literatur entwickelt haben und wodurch sich diese von der skandinavischen Literatur unterscheidet, werden wir in einer Reihe von Artikeln beleuchten. Außerdem werden wir aufzeigen, wie sehr die Literaturgeschichte mit der nationalen Entwicklung zusammen hängt. Heute beginne ich mit den Anfängen bis hin zum 19. Jahrhundert.

Wir beginnen im Mittelalter und stellen sogleich fest, dass es hier nicht besonders viel zu entdecken gibt. Es gab kirchliche Schriften und die waren auf Latein. Später wurden auch ein paar Sachen ins Schwedische übersetzt (die Schweden haben sich seit dem 12. Jahrhundert in Gebieten des heutigen Finnlands breit gemacht), aber eine finnische Schriftsprache existierte nicht, genau so wenig wie nennenswerte literarische Erzeugnisse.

Dann kam ab 1528 die Reformation nach Finnland und mit ihr wirkte ein ganz wichtiger Mensch, nämlich der “Vater der finnischsprachigen Literatur und der finnischen Schriftsprache”, Mikael Agricola (ca. 1510 – 1557). Agricola war vermutlich finnischer Muttersprachler, aber da er in einer Gegend aufwuchs, in der hauptsächlich Schwedisch gesprochen wurde, lernte er diese Sprache wohl auch schon sehr früh.

Sein Hauptwerk ist die Übersetzung des Neuen Testaments aus dem Griechischen ins Finnische nach dem Vorbild Luthers. Außerdem war er ein Anhänger des Humanismus. Sein Wirken sollte der lutherischen Kirche und der geistlichen Erziehungsarbeit dienen.

Sein erstes Werk und damit das erste finnischsprachige Buch überhaupt ist das abckirja (dt. ABC-Buch, Stockholm 1543, 1551, 1559). Das ist eine Fibel und in ihr steht, wie der Name sagt, das Alphabet, außerdem unter anderem die Zehn Gebote, einige Gebete und ein Verzeichnis der finnischen Zahlwörter. Hier kann man den Originaltext lesen. Beachtenswert ist die lustige alte Rechtschreibung. Und hier ist ein hübscher Holzschnitt, der Agricola zeigt.

Wir überfliegen mal kurz die Zeit vom Barock zum Rokoko. Da wurde die Universität von Turku gegründet (1640) – also die erste Universität Finnlands! 1642 folgte die erste Buchdruckerei. Hauptsächlich wurde auf Latein veröffentlicht, aber auch auf Finnisch gedichtet.

In der Zeit der Aufklärung gab es eine wichtige Entwicklung für die finnische Volksdichtung. Da hat Henrik Gabriel Porthan (1739 – 1804), der als Vater der finnischen Geschichtsschreibung gilt, die erste anspruchsvolle Studie über finnische Volksdichtung (De Poesi Fennica) geschrieben. Das hat das Bild von der Volksdichtung radikal verbessert.

Richtig interessant wird es aber jetzt erst in der Romantik. Hier begann die eigentlich bedeutsame literarische Kultur Finnlands langsam aufzublühen. Von besonderem Einfluss waren die Gedanken Johann Gottfried von Herders (1744 – 1803), einem Dichter und Philosophen der Weimarer Klassik. Herder fand, die Kraft der Poesie liege weder in ihrer Gelehrtheit noch in ihrer Bildung, sondern in ihrem lebendigen Verhältnis zur Natur und zum Volk, und sprach den Finnen damit aus der Seele. Man begab sich also in die Natur, um Gott und das finnische Volk und sich selbst zu erkennen. Dies wurde zum Fundament der finnischen Nationalromantik, die von großer Bedeutung für den Aufbau der finnischen Identität war.

Und nun ein bisschen Kulturgeschichte in Kurzfassung. Die Bildungsschicht in Finnland war schwedischsprachig. Die Romantiker in ganz Europa haben die Bedeutung der Volkssprachen und den Wert der Dialekte gepriesen. Also haben die Romantiker in Finnland versucht die Bildungsschicht davon zu überzeugen, ihre Muttersprache zu Gunsten von Finnisch aufzugeben. Diese Romantiker waren selbst schwedischsprachig. Die „Elite“ wollte also ihre eigene Muttersprache gegen die des gemeinen Volkes tauschen!

Ab 1810 wurde die finnische Nationalromantik zu einer breiteren kulturellen Strömung. 1831 wurde die Finnische Literatur-Gesellschaft (Suomalaisen Kirjallisuuden Seura) gegründet, die sehr bedeutsam für die Entwicklung finnischsprachiger Literatur war.

Jetzt berichte ich aber trotzdem zuerst von einem wichtigen Schriftsteller, der auf Schwedisch verfasste und kaum Finnisch beherrschte – Johan Ludvig Runeberg (1804 – 1877). Sein Literaturbegriff und seine Ästhetik basierten auf der idealistischen deutschen Philosophie, auf der neuhumanistischen Tradition und auf der Romantik. Er fand also Volksdichtung auch toll, denn das sei die Literatur, die der Natur am nächsten stehe, und in der Natur offenbare sich Gott.

Von Runeberg stammt der Text der finnische Nationalhymne Vårt land (dt. Unser Land), bzw. in finnischer Übersetzung Maamme laulu. Es ist das erste Gedicht aus dem Werk Fänrik Ståls sägner (dt. Die Sagen des Fähnrich Stahl, 1848). Das ist eine Sammlung romantischer erzählender Kriegsgedichte (wie auch immer so was aussehen soll – ich habe es noch nicht gelesen) über den Finnischen Krieg von 1808/09 zwischen Schweden und Russland. Der Text der Hymne ist hier ganz schön auf Schwedisch, Finnisch und Deutsch nebeneinander gestellt. Runeberg war in keiner Weise radikal und schrieb nie etwas kritisches gegen die Herrscher (Finnland gehörte inzwischen zu Russland). Probleme mit Zensur hatte er also nie.

Als nächstes kommt endlich ein finnischer Muttersprachler: Elias Lönnrot (1802 – 1884). Er schuf das bereits hier und da mal in Artikeln erwähnte Kalevala, das Nationalepos der Finnen. Dazu reiste er kreuz und quer durch Finnland, um Volksdichtung aufzuzeichnen, welche er dann zu einem Gesamtwerk verknüpfte. Der Ansicht der Zeit folgend glaubte er nämlich, dass Volksdichtungen die verstreuten Reste eines einheitlichen Urepos seien. 1833 erschien die erste Ausgabe des Kalevala und 1849 dann die endgültige, welche 50 Lieder (oder auch Runen genannt) und insgesamt nahezu 23000 Verse enthält.

Das Kalevala handelt unter anderem von dem Kampf zwischen dem Reich Pohjola und dem Reich Kalevala, aber es gibt noch einige andere Handlungsstränge. Die wichtigsten Personen sind Väinämöinen, Ilmarinen, Lemminkäinen und Louhi. Wir werden uns dem Thema sicher noch mal ausführlicher widmen. Sollte dieses sprachlich wunderschöne Werk jemand lesen wollen, so ist die Übersetzung von Hans Fromm empfehlenswert.

Von Lönnrot zusammengestellt wurde außerdem das lyrische „Schwesterwerk“ des Kalevala, Kanteletar, welches 652 Lieder und Balladen mit insgesamt 22.201 Versen enthält.

Das Treiben von Runeberg und Lönnrot wurde von einem weiteren wichtigen Zeitgenossen eher kritisch beäugt. Johan Vilhelm Snellman (1806 – 1881) war der wohl wichtigste gesellschaftliche Meinungsführer seiner Zeit in Finnland. Der Philosoph, Journalist, und Staatsmann hatte sich der Philosophie Hegels voll und ganz verschrieben. Er forderte eine radikale Fennifizierung, weil seiner Meinung nach der Nationalgeist eines Volkes in der Volkssprache zum Ausdruck kommt. Und daher sei die Existenz einer finnischen Nation (wir erinnern uns: Finnland gehörte zu Russland) ohne Finnisch als Kultursprache nicht möglich.

Runeberg disqualifiziere sich Snellmans Ansicht nach durch den Gebrauch der schwedischen Sprache und Lönnrot hinge der Literatur einer vergangenen Epoche nach.

Snellman war auf jeden Fall total wichtig für die finnische Identitätsbildung und auf dem Weg in die Unabhängigkeit.

Dieser Konflikt zwischen Snellman und den Romantikern – Kultur und Bildung vs. Natur und Volkssprache – wurde ein paar Jahre später aufgelöst vom Journalisten, Schriftsteller, Märchenerzähler, Geschichtsprofessor und Universitätsdirektor Zacharias Topelius (1818 – 1898).

Er verband die romantische Naturbewunderung mit Kultur und Geschichte und fügte die Auffassungen Snellmans und Runebergs zu einer Vaterlandsidee zusammen.

So, das war der erste (und sehr lang geratene) Teil über die finnische Literaturgeschichte. In ein paar Wochen (soll ja nicht zu monoton werden) geht es weiter mit dem nächsten Teil über den eigentlichen Beginn der finnischsprachigen Literatur.

Quellen:

Laitinen, Kai: Finnische Literatur im Überblick. Aus dem Finnischen von Justa Holz-Mänttäri. Helsinki: Otava Verlag 1989.

Lassila, Pertti: Geschichte der finnischen Literatur. Aus dem Finnischen von Stefan Moster. Tübingen: Francke 1996.

Veranstaltungen der Kölner Fennistik

25. August 2009 um 18:16 | Veröffentlicht in Geschichte, Kultur, Sprache, Termine | Hinterlasse einen Kommentar
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Da sich hier ja einige Finnlandinteressierte tummeln, haben wir überlegt, dass wir euch auf ein paar Veranstaltungen hinweisen sollten, die die Universität zu Köln bzw. das Institut für Skandinavistik/Fennistik geplant hat:

  • Am 06.11.2009 findet in Köln ein Symposium zum Thema “1809 – Vom Ende und Anfang der finnisch-schwedischen Beziehungen” statt. Hier wird vor allem das Jahr 1809 selbst im Mittelpunkt stehen und von verschiedenen Seiten – wie Sprache, Geschichte und Literatur – beleuchtet werden. Es werden (vortragende) Gäste aus Finnland, Schweden und Deutschland erwartet. Weitere Informationen gibt es hier.
  • Am 07.11.2009 gibt es anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Professur für Fennistik in Köln ein Kolloquium zum Thema “Aktuelle Forschungen zur Fennistik und Finnougristik im deutschsprachigen Raum”. Weitere Informationen gibt es hier.
  • Zusätzlich am 07. und 08.11.2009 findet der 14. deutsche Finnougristentag statt. Er ist 1992 als “Vertretung der Institutionen für Finnisch-ugrische Philologie und ihre Teilgebiete in der Bundesrepublik Deutschland” gegründet worden. Weitere Informationen findet man hier.

Eine Übersicht der Konferenzen der Kölner Skandinavistik/Fennistik gibt es hier. Veranstaltungsort ist jeweils die Universität zu Köln; genauere Angaben folgen noch. Die Zeiten können unter den angegeben Links entnommen werden.
Wir hoffen, dass wir mit diesem Hinweis noch den ein oder anderen anlocken können – so viel “Finnisch” auf einem Haufen gibt es selten. ;)

Religion in Finnland

23. August 2009 um 08:24 | Veröffentlicht in Geschichte, Kultur, Sprache | Hinterlasse einen Kommentar
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Die Frage nach der Religion und danach, was Finnen glauben stellt sich den meisten Interessierten relativ spät, denn grundsätzlich ist Finnland aufgrund seiner Verfassung ein konfessionsloser Staat, so dass man nicht all zu früh mit Religion konfrontiert wird. Allerdings werden auch in Finnland die Mehrheit der Kinder getauft und 86,7%¹ der Finnen gehören einer Religion an.

Es gibt derzeit in Finnland, trotz der offiziellen Konfessionslosigkeit, zwei Staatskirchen: evangelisch-lutherisch und finnisch-orthodox. Die orthodoxe Kirche hat im Mittelalter Einzug in Finnland erhalten und wurde vorwiegend durch den russischen Einfluss nach Finnland gebracht. Sie verbreitete sich von Nowgorod aus und ist daher vor allem in Karelien stärker vertreten. Als große Teile Kareliens nach der finnischen Niederlage im zweiten Weltkrieg an Russland abgetreten werden mussten, wurden viele Orthodoxe zwangsweise umgesiedelt und über das Land verteilt. So mussten auch die Mönche aus dem Walaam-Kloster (Finnisch: Valamo) evakuiert werden, das auf einer Insel im Ladogasee gelegen ist; der See liegt nah an der Grenze zu Finnland in heute russischem Gebiet. Walaam war und ist das größte Kloster der finnisch-orthodoxen Kirche und diente im Krieg unter Anderem als Lazaret. Nach der Umsiedlung der Mönche nach dem Winterkrieg gründeten sie allerdings das Kloster Neu-Walaam (Uusi Valamo) auf finnischem Gebiet, das lange Zeit das einzige orthodoxe Kloster in Finnland war. Erst 1989 wurde Walaam restauriert und wird nun wieder als Kloster genutzt.
Die orthodoxe Kirche Finnlands (Suomen ortodoksinen kirkko) ist autonom zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel⁵.

Das Christentum hinterließ seine ersten Spuren bereits zur Wikingerzeit (9.-11. Jahrhundert). Durch den Kreuzzug Erich des Heiligen kam die (westliche) christliche Lehre nach Finnland. Die erste Diozöse wurde 1276 in Turku gegründet.
Durch die schwedische Herrschaft wurde in Finnland 1527 die “Reformation von oben” nach dem Reichsstag zu Västerås durchgeführt. Das Geld, das Gustav Wasa durch die Reformation einnahm, half ihm seine Schulden bei der Stadt Lübeck zu begleichen. Die ausführenden Kräfte, die im Interesse von König Johan III und seinem Sohn König Sigmund III arbeiteten, sollten allerdings nicht nur Einfluss auf die Religion nehmen. Unter ihnen befand sich auch Michael Agricola, der in Wittenberg studiert hatte. Er schrieb das erste Buch, das je in finnischer Sprache gedruckt wurde: das Abc-kirja (1534) – und trug daher stark zu den Wurzeln der finnischen Sprache bei. Er übersetzte auch das neue Testament ins Finnische.
Im 17. Jahrhundert – noch unter schwedischem Einfluss – war Finnland nicht säkularisiert, der Staat bildete mit der evanglischen Kirche eine Einheit. Abweichungen von der Norm wurden daher hart bestraft.

Religionsfreiheit gibt es offiziell seit 1869 in Finnland – ermöglicht durch die Freiheiten unter Zar Alexander II., allerdings wurde die Religionsfreiheit erst nach der Unabhängigkeit Wirklichkeit und ist seit 1923 in der Verfassung verankert.

In Finnland hat die Kirche noch einen hohen Stellenwert, auch wenn die Zahl der Gottesdienstbesucher – wie in anderen westlichen Ländern – stark rückläufig ist. Die meisten Finnen gehen nur zu hohen Feiertagen in die Kirche, weniger als 10%³ gehen einmal pro Monat in die Kirche. Allerdings spielt gerade in ländlichen Gebieten die Religion noch eine große Rolle, vor allem als soziales Netzwerk. Hier liegen auch die ‘Hochburgen’ der Erweckungsbewegungen, wie zum Beispiel die des Laestadianismus.

Die derzeitige Verteilung der Konfessionen auf die Bevölkerung (5,3 Millionen²):¹

  • evangelisch-lutherisch 4.400.000 Mitglieder
  • finnisch-ortodox 54.000 Mitglieder
  • Pfingstbewegung 50.000 Mitglieder
  • Zeugen Jehova 17.000 Mitglieder
  • finnische Freikirche 13.000 Mitglieder
  • Katholische Gemeinde 6.000 Mitglieder
  • jüdische Gemeinde 1.100 Mitglieder
  • Islam 1.000 Mitglieder

In den Schulen steht es den Kindern frei zwischen Religion und Ethik zu wählen; in diesem Aspekt ähnelt also das finnische dem deutschen Schulsystem. Im Schnitt betet jeder dritte Finne täglich; über die Hälfte der Finnen gibt an, dass sie hin und wieder einmal beten. Die Kirchensteuer in Finnland beträgt zwischen einem und 2,25%⁴ des Einkommens. Die Staatskirchen werden zusätzlich finanziell vom Staat unterstützt, trotz Säkularisierung. Die Zahl der Anhänger von ‘Minderheitenkirchen’ ist in den letzten Jahren stark gewachsen, was vor allem durch vermehrte Migration zu begründen ist.

Quellen:
¹finn-land.net
²geographixx.de
³state.gov
tilastokeskus.fi</a
ort.fi
Ilta-Sanomat vom 09.04.2009

Ur- und Frühgeschichte Finnlands

16. August 2009 um 18:25 | Veröffentlicht in Geschichte, Sprache | Hinterlasse einen Kommentar
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Dieser Artikel soll einen winzigkleinen Einblick in die Verhältnisse in Finnland in vorhistorischer Zeit geben – also die Zeit, über die hauptsächlich archäologische Funde Aufschluss geben. Abgesehen von denen gibt es ein paar Berichte aus zweiter Hand von römischen und griechischen Autoren, gegen Ende der Frühzeit in Skandinavien Runeninschriften und außerdem kann man aus Verhältnissen späterer Zeiten Rückschlüsse ziehen. Besondere Beachtung wird in diesem Artikel den Ursprüngen der finnischen Sprache geschenkt.

Das Eis der letzten Eiszeit begann sich in Nordeuropa vor etwa 15000 Jahren zurückzuziehen, bis es vor etwa 7000 Jahren fast verschwunden war.

Die ältesten Spuren von Menschen, die man in Finnland gefunden hat, sind über 120000 Jahre alt, stammen also aus einer Zeit vor der letzten Gletscherbildung. Sie wurden 1996 in der Höhle Susiluola (Wolfshöhle) gefunden, die sich an der Küste des bottnischen Meerbusens befindet. Da die Höhle dem Druck des Gletschereises standhielt, kann man dort sehr alte Spuren menschlichen Lebens finden. Es ist noch umstritten, ob es sich bei jenen Menschen um Neandertaler handelte.

Mesolithikum/Mittelsteinzeit

Die frühesten Siedlungen nach dem Rückzug des Eises stammen aus dem 8. Jahrtausend v.Chr. Die Bewohner kamen vermutlich aus Richtung Süden und Südosten. Diese Kultur wird nach dem Hauptfundort der Spuren Suomusjärvi-Kultur genannt. Ihre Menschen lebten am Wasser und zogen den jahreszeitlich wechselnden Fangplätzen hinterher.

Welche Sprache diese steinzeitliche Bevölkerung sprach, ist nicht bekannt. Man vermutet, dass die östlichen Einwanderer eine uralische Sprache, die vom Westen ins Baltikum und von dort nach Finnland kommenden Menschen eine später völlig verschwundene Sprache sprachen. Diese verlorene Sprache war vermutlich nach Vereinigung beider Gruppen eine Zeit lang vorherrschend, bis sie allmählich aufgegeben wurde.

Neolithikum/Jungsteinzeit

Um etwa 4200 v.Chr. entwickelt sich in Finnland die Kammkeramik-Kultur, die – wie der Name schon sagt – Keramik herstellen konnte. Der Name Kammkeramik bezieht sich auf die Verzierung der Tongefäße, auf die wohl mit einem kammartigen Stempel ein immer wiederkehrendes Muster aufgebracht wurde.

Die Menschen blieben weiterhin Jäger und Sammler. Seit etwa 3000 v.Chr. finden sich Felsmalereien an finnischen Felswänden und Klippen. Vermutlich breiteten sich in der Zeit der Kammkeramik-Kultur (4200-1600 v.Chr.) unter anderem Bevölkerungsgruppen aus dem mittleren und oberen Wolgagebiet in Russland Richtung Westen, Nordwesten und Norden aus und brachten mit dem Wolgafinnisch die erste finnougrische Sprachform mit. Da diese Sprache von einer sozial überlegenen Bevölkerungsgruppe gesprochen wurde, konnte sie sich durchsetzen und entwickelte sich zu einer Vorform des Urfinnischen.

Ein paar Jahrhunderte später kam die Bootaxt- oder Schnurkeramik-Kultur (2300-2000 v.Chr.) aus Mitteleuropa über das Baltikum nach Finnland. Der Name Bootaxt-Kultur kommt von den bootförmigen Hammeräxten, von denen man Überreste in Finnland gefunden hat. Der Name Schnurkeramik-Kultur betont mal wieder die Form ihrer Keramik. Diese eingewanderte Kultur, welche sich in Südwestfinnland und an den finnischen Küstenlinien verbreitete, betrieb schon Ackerbau und Viehzucht und unterschied sich somit wesentlich von der Kammkeramik-Kultur.

Die meisten Menschen der Kammkeramik-Kultur passten sich recht schnell an und es bildete sich eine Art Grenze zwischen einer westlichen, „europäischen“ Gruppe und einem östlichen, „nicht-europäischen“ Jägervolk, welches die Kammkeramik-Kultur weiterentwickelte. Hier teilte sich auch das Vor-Urfinnische in einen urfinnischen (westlichen) und einen ursamischen (östlichen) Zweig. Außerdem lässt sich nun zweifelsfrei von der Existenz der Samen in Finnland als eigenständige Kultur mit eigener Sprache sprechen.

Bronzezeit

In Finnland gibt es nur wenige archäologische Funde aus der Bronzezeit (1500-500 v.Chr.). Vor allem in den Küstengebieten kamen Bronzewaffen und Bronzeschmuck aus Schweden in Mode. Die Menschen waren vor allem Skandinavien zugewandt und betrieben viel Handel. Ackerbau und Viehzucht hatten sich jetzt völlig durchgesetzt und wurden inzwischen auch im östlichen Kulturkreis betrieben.

Im Kontrast zur Skandinavien-Orientierung nahm auch der Kontakt zwischen der ursamischen Bevölkerung und der finnougrischen Bevölkerung Osteuropas zu, weil dort die meisten Metalle herkamen.

Vorrömische Eisenzeit

Um etwa 500 v.Chr. verschlechterte sich das Klima und die Bevölkerungszahl ging zurück. Grabbeigaben findet man aus dieser Zeit kaum, entweder weil das damals außer Mode kam oder weil die Handelsverbindungen abbrachen.

Weiterhin wanderten kontinuierlich neue Siedler nach Finnland ein. So bildeten sich die Charakteristika der verschiedenen Gebiete Finnlands aus, welche zu unterschiedlichen Zeitpunkten und aus unterschiedlichen Gebieten Einwanderer aufnahmen.

In den letzten Jahrhunderten vor Beginn der historischen Zeit erlebte während der Völkerwanderungszeit Österbotten (finn. Pohjanmaa) einen starken Aufschwung. Hierauf gründet sich die gewisse Eigenart, die dieser Region zugeschrieben wird. Der Ostseehandel blühte und mit ihm die Waffenherstellung und das künstlerische Handwerk. Etwas später wurden auch in Südwestfinnland die Kontakte nach Skandinavien intensiver.

Die ältesten Teile der finnischen Volksdichtung entstanden vermutlich in dieser Zeit, als germanische Werke wie die ältere Edda und das Beowulf-Epos ihren Weg nach Finnland fanden.

Finnland und die Wikinger

Finnland profitierte auch davon, an einem Handelsweg der Wikinger (um sie vereinfacht mal alle so zu nennen) gelegen zu sein. Es gab ein großes wirtschaftliches Wachstum im Land. An den Wikingerfahrten haben sich die Finnen aber mit Ausnahme der Åländer kaum beteiligt. Zur gleichen Zeit ging aus nicht sicher geklärter Ursache die Hochzeit von Österbotten zu Ende.

Die Gesellschaft bestand vermutlich aus wohlhabenden Bauern, Jägern und Kaufläuten, ebenso wie Besitzlosen und Knechten. Hingegen weist nichts auf die Existenz von politisch mächtigen Herrscherfiguren hin. Dies sollte sich erst in den Anfängen der Mittelalters ändern, als Schweden begann, erste ernsthafte Eroberungsversuche zu unternehmen.

Quelle: Ingrid Bohn – Finnland. Von den Anfängen bis zur Gegewart. In: Geschichte der Länger Skandinaviens. Herausgegeben von Jörg-Peter Findeisen. Regensburg: Verlag Friedrich Pustet, 2005.

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