Essen und internationale Beziehungen

18. September 2009 um 08:10 | Veröffentlicht in Essen, Politik | Hinterlasse einen Kommentar
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Dem gewöhnlichen Staatsbürger sind diplomatische Beziehungen manchmal ein Rätsel. Wer darf wem die Hand schütteln, wer sitzt beim Staatsempfang neben wem und welches Gastgeschenk bringt man mit? Als Nichtpolitiker gibt es einige Faux pas, die man begehen kann – aber um diese zu vermeiden hat jedes Land ja seine großen Staatsmänner und -frauen. Man glaubt gar nicht, wie schnell solche Beziehungen sonst irreparabel geschädigt werden können. Ein Beispiel, wie man internationale Beziehungen pflegt.


Als Erstes zu merken für angehende Diplomaten: Ehrlichkeit ist ganz wichtig! Wenn man nach einem Besuch im fremden Land der Meinung ist, dass etwas während der Reise nicht in Ordnung war, dann sollte man das auch sagen. Wie zum Beispiel der italienische Premier Berlusconi. Nach einem Finnlandbesuch klangen seine Äußerungen nämlich in etwa so: “Finnisches Essen ist grässlich!”
Natürlich reagierte man in Finnland auch auf die Kritik aus dem Ausland. So lud man dann den italienischen Botschafter in Finnland de Mohr gern nochmal ins Außenministerium ein, um über die Kritik zu sprechen.
Solche Aussprachen sind vor allem dann wichtig, wenn es gemeinsame Entscheidungen zu treffen gilt, wie festzulegen wo die europäische Lebensmittelbehörde ihren Sitz bekommt. Bis auf Italien war sich die EU hier nämlich schon einig: In Helsinki.
Allerdings darf man den italienischen Premier hier nicht unterschätzen. Er hat bei einem erneuten Besuch in Finnland, um mit Staatspräsidentin Halonen über den Sitz der Behörde zu sprechen, nach eigenen Angaben seinen Playboycharme eingesetzt, um die Entscheidung zu seinen Gunsten zu beeinflussen. (Ein kostenloser Tipp, liebe Diplomaten. Schreibt ihn euch auf!)
Nun sitzt die Lebensmittelbehörde übrigens in Parma, weit weg vom Rentierfleisch – aber nah am Schinken. Um Berlusconi dazu auch noch einmal zu gratulieren, schickte ein finnischer Politiker eine Postkarte mit guten Wünschen und dem Bild eines Schweins. (Kommunikation! Noch so ein guter Tipp! Stellt euch vor, wie die Situation hätte eskalieren können, wenn man da nicht unglaublich feinfühlig gewesen wäre und die Gratulation vergessen hätte!)
Der finnische Premier Vanhanen hat dann zur Pflege der Beziehungen zu Italien später auch noch zugegeben, wie gut das Essen dort doch ist. Er hätte eine Vorliebe für Spaghetti – wie für alles einfache Essen.
Und da man ja auch weiß, was sich gehört und nicht schadenfroh ist, waren die Finnen auch eher bedrückt von der Tatsache, dass Finnland die Pizza-Weltmeisterschaft in New York gewonnen hat, vor Italien – dem Geburtsland der Delikatessen. Man kann als Land bei sowas ja auch nicht einfach so gewinnen, hinterher schädigt man noch die internationalen Beziehungen.

Quellen: Finnische Mundpropaganda
news.at

Das politische System Finnlands

6. September 2009 um 08:57 | Veröffentlicht in Finnland, Norden, Politik | Hinterlasse einen Kommentar
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Wie teils von euch gewünscht und teils natürlich auch aus eigenem Interesse, gibt es heute einen Beitrag zum Thema “das politische System” Finnlands. Auf der einen Seite hilft es sicherlich das politische System zu kennen, um so auch ein Land besser kennenlernen zu können; auf der anderen Seite möchten wir auch Grundlagen schaffen, auf denen unsere nächsten Themen aufbauen können. Gerade auch im Bereich der Nachrichten ist es sicherlich sinnvoll einen groben Überblick über das Wesen Finnlands zu haben.




Als Einleitung ist erst mal zu sagen: Finnland ist eine Republik, genauer: Finnland ist eine parlamentarische Demokratie mit Elementen einer Präsidialdemokratie¹.
Wie in einem früheren Artikel bereits erwähnt, gibt es derzeit 5,3 Millionen Finnen – von denen derzeit etwa 4,1 Millionen wahlberechtigt sind². Diese wählen das finnische Parlament, ein Einkammernparlament. Zusätzlich wird auch der Staatspräsident alle sechs Jahre direkt vom Volk gewählt. Der Staatspräsident hat allerdings eher eine repräsentative Funktion, so ist sein Hauptarbeitsbereich die Außenpolitik; dennoch unterstehen ihm die Streitkräfte.

Der Ministerpräsident steht an der Spitze der Regierung, in Finnland üblicherweise eine große Koalition. Parlamentswahlen finden alle vier Jahre statt, dann werden die 200 Plätze des Eduskunta (dt.: Parlament) neu besetzt. Dem Parlament direkt verantwortlich ist der Staatsrat (finn.: valtioneuvosto).


In Finnland gilt allgemeines und gleiches Wahlrecht seit 1906, auch für Frauen. Wählen darf jeder finnische Staatsbürger, der zur Wahl das 18. Lebensjahr vollendet hat². Gewählt wird nach dem Verhältniswahlrecht, wie in den anderen nordeuropäischen Staaten ebenso. Die Wahlen sind direkt und geheim. Wahltag ist immer der dritte Sonntag im März, dieser Tag ist gesetzlich festgelegt. Die nächste Wahl ist somit am 20. März 2011.

Finnland ist in 6 Provinzen aufgeteilt, wobei Aland weitgehenden Autonomiestatus genießt. Das zeigt sich auch im Wahlsystem: Aland entsendet immer einen Abgeordneten in den finnischen Reichstag, um bei Entscheidungen Aland betreffend auch vertreten zu sein. Dieser Abgeordnete wird mit Mehrheitswahlrecht gewählt. Der Abgeordnete, unabhängig seiner eigenen Parteizugehörigkeit, schließt sich immer der Parlamentsfraktion der Schwedischen Volkspartei an.

Es gibt in Finnland 15 Wahlkreise, die je nach Populationsdichte bestimmt wurden. Die Anzahl der entsendeten Abgeordneten hängt von der Einwohnerzahl des Bezirks ab und wird vom Staatsrat festgelegt. Im Vergleich entsendete Lappland 1995 acht Abgeordnete, Helsinki hingegen 19². Jede Partei stellt zur Wahl für ihren Wahlkreis eine Kandidatenliste auf, nach der dann die Abgeordneten gewählt werden. Mit seiner Stimme hat ein Finne direkten Einfluss auf den Rang eines Kandidaten auf der Liste und auf die Kräfteverteilung der Parteien an sich.

In Finnland besitzt jeder Wahlberechtigte gleichzeitig aktives und passives Wahlrecht, ausgenommen jedoch Angehörige des Militärs, Justizkanzler, Justizombudsmann und Mitglieder der obersten Gerichtshöfe².


Seit 1. März 2000 ist das Amt des Staatspräsidenten mit Tarja Kaarina Halonen¹ besetzt, der ersten Frau an der Spitze Finnlands. Ihre Bestätigung erlangte sie 2006 mit 51,8%³. Derzeitiger Regierungschef und Ministerpräsident ist Matti Vanhanen, Zentrumspartei¹. Er steht einer Koalitionsregierung aus Zentrumspartei, der konservativen Sammlungspartei, Schwedischer Volkspartei und Grünen vor. Die Opposition bilden daher Sozialdemokraten, Linksbund, Finnische Christdemokraten und Basisfinnen. Derzeit gibt es 19 eingetragene Parteien in Finnland.
Halonen ist mit Alexander Stubb (Außenminister) für die Außenpolitik verantwortlich. Derzeitiger Finanzminister ist Jyrki Katainen.

Die aktuelle Verfassung Finnlands ist seit dem 1. März 2000 in Kraft⁴. In der Verfassungsreform wurde vor allem die Macht des Präsidenten eingeschränkt, so dass dem Parlament und der Regierung mehr Aufgaben zufallen.
Die Verfassungstätigkeit wird in Finnland von normalen Gerichten überprüft, es gibt kein gesondertes Verfassungsgericht.

Das nördlichste Land der EU hat ein Bruttoinlandsprodukt von 29.000€ pro Kopf (2007)⁵. Im EU Ministerrat hat Finnland sieben Stimmen, im europäischen Parlament wird Finnland mit 13 Sitzen vertreten⁵.
Durch den Einfluss der EU mussten viele Gesetze und Regelungen in Finnland modernisiert werden. Das finnische Rechtssystem gilt aber als sehr konstant und wurde nur selten geändert. Die neuen Regulierungen der EU machten aber einen Wandel notwendig.
Der EU Beitritt Finnlands wurde stark diskutiert. Nach Finnlands Erfahrungen in Kriegen, bemüht sich das Land als neutral zu gelten und sich militärisch nicht einzumischen. Ein Zugeständnis an die EU war daher ein sehr brisantes Thema und wird immer noch nicht vollständig akzeptiert.




Weitere Informationen zur Regierung findet man hier.






Quellen:
¹http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Laenderinformationen/01-Laender/Finnland.html
²Ismayr, Wolfgang (Hrsg.): Die politischen Systeme Westeuropas, Wiesbaden: VS Verlag, 2009, S.244
³http://yle.fi/vaalit/videot/id19599.html
⁴http://www.finlex.fi/pdf/saadkaan/E9990731.PDF
⁵http://www.bundesregierung.de/Webs/Breg/DE/Europa/EUErweiterung/Laenderinformationen/finnland.html
http://www.government.fi/ (Übrige Informationen)

Neue immigrationskritische Partei auf dem Vormarsch

28. August 2009 um 07:50 | Veröffentlicht in Finnland, Nachrichten aus Finnland, Politik | Hinterlasse einen Kommentar
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In Finnland gibt es bald vielleicht eine neue Partei, die Immigration nach Finnland kritisiert. Die Partei möchte nicht, dass mehr Einwanderer aus finanziellen Gründen nach Finnland kommen. Die Partei schlägt eine Volksabstimmung vor, in der jede Finne seine Meinung zum Thema Einwanderung abgeben kann.

Der geplante Name der Partei ist Muutos 2011 (“Wandel 2011″). Die neue Partei wird gegründet, wenn sie mindestens 5000 Unterstützer findet. Die Partei versucht drei Abgeordnete in das finnische Parlaments bei der Wahl im Jahr 2011 zu entsenden.

Quelle: yle.fi

Regierung bespricht Jahreshaushalt

27. August 2009 um 10:35 | Veröffentlicht in Kultur, Nachrichten aus Finnland, Politik | 1 Kommentar
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Die finnische Regierung bespricht derzeit den nächsten Jahreshaushalt. Es wird diskutiert, wofür die finnische Regierung im Jahr 2010 ihren Etat nutzen will. Bei den Parteien besteht größere Uneinigkeit aufgrund der allgemein schlechten Finanzlage.

Die Regierungsparteien sind sich beispielsweise über die Veränderung der Lebensmittelsteuer nicht im Klaren. Die Regierung hatte beschlossen, dass zuerst die Steuer auf Nahrungsmittel, die im Kaufhaus verfügbar sind, gesenkt werden sollte. Im nächsten Jahr sollte dies dann auch auf die Steuer für Lebensmittel im Restaurant angewandt werden.

Heute will die Regierung mit der Haushaltsbesprechung fortfahren. Dann soll unter Anderem besprochen werden, woher die Regierung das Geld für die Verringerung der Arbeitslosigkeit nehmen will. Das Parlament soll den Haushalt später im Herbst verabschieden.

Quelle: yle.fi

Arbeitslosenzahl in Finnland gestiegen

25. August 2009 um 19:22 | Veröffentlicht in Nachrichten aus Finnland, Politik, Umwelt | Hinterlasse einen Kommentar
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Die Arbeitslosigkeit in Finnland hat sich weiter verschlimmert. 8% der arbeitsfähigen Finnen hatten im Juli keine Arbeit, das sind etwa 210.000 – laut Angaben des statistischen Bundesamtes (Tilastokeskus). Vor allem bei jungen Menschen ist die Lage derzeit schlimm. Bei den unter 25-jährigen sind momentan etwa 15% arbeitslos.

Die Anzahl der Arbeitslosen wird sich, Prognosen zu Folge, wahrscheinlich im nächsten Jahr noch verschlechtern. Finanzminister Jyrki Katainen äußerte, dass sich die Lage vermutlich erstmal nicht bessern würde. Der Staat solle nun beispielsweise der Baubranche unter die Arme greifen. Unternehmen mussten nach der Wirtschaftskrise vermehrt Menschen entlassen.

Quelle: yle.fi

Veranstaltungen der Kölner Fennistik

25. August 2009 um 18:16 | Veröffentlicht in Geschichte, Kultur, Sprache, Termine | Hinterlasse einen Kommentar
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Da sich hier ja einige Finnlandinteressierte tummeln, haben wir überlegt, dass wir euch auf ein paar Veranstaltungen hinweisen sollten, die die Universität zu Köln bzw. das Institut für Skandinavistik/Fennistik geplant hat:

  • Am 06.11.2009 findet in Köln ein Symposium zum Thema “1809 – Vom Ende und Anfang der finnisch-schwedischen Beziehungen” statt. Hier wird vor allem das Jahr 1809 selbst im Mittelpunkt stehen und von verschiedenen Seiten – wie Sprache, Geschichte und Literatur – beleuchtet werden. Es werden (vortragende) Gäste aus Finnland, Schweden und Deutschland erwartet. Weitere Informationen gibt es hier.
  • Am 07.11.2009 gibt es anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Professur für Fennistik in Köln ein Kolloquium zum Thema “Aktuelle Forschungen zur Fennistik und Finnougristik im deutschsprachigen Raum”. Weitere Informationen gibt es hier.
  • Zusätzlich am 07. und 08.11.2009 findet der 14. deutsche Finnougristentag statt. Er ist 1992 als “Vertretung der Institutionen für Finnisch-ugrische Philologie und ihre Teilgebiete in der Bundesrepublik Deutschland” gegründet worden. Weitere Informationen findet man hier.

Eine Übersicht der Konferenzen der Kölner Skandinavistik/Fennistik gibt es hier. Veranstaltungsort ist jeweils die Universität zu Köln; genauere Angaben folgen noch. Die Zeiten können unter den angegeben Links entnommen werden.
Wir hoffen, dass wir mit diesem Hinweis noch den ein oder anderen anlocken können – so viel “Finnisch” auf einem Haufen gibt es selten. ;)

Religion in Finnland

23. August 2009 um 08:24 | Veröffentlicht in Geschichte, Kultur, Sprache | Hinterlasse einen Kommentar
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Die Frage nach der Religion und danach, was Finnen glauben stellt sich den meisten Interessierten relativ spät, denn grundsätzlich ist Finnland aufgrund seiner Verfassung ein konfessionsloser Staat, so dass man nicht all zu früh mit Religion konfrontiert wird. Allerdings werden auch in Finnland die Mehrheit der Kinder getauft und 86,7%¹ der Finnen gehören einer Religion an.

Es gibt derzeit in Finnland, trotz der offiziellen Konfessionslosigkeit, zwei Staatskirchen: evangelisch-lutherisch und finnisch-orthodox. Die orthodoxe Kirche hat im Mittelalter Einzug in Finnland erhalten und wurde vorwiegend durch den russischen Einfluss nach Finnland gebracht. Sie verbreitete sich von Nowgorod aus und ist daher vor allem in Karelien stärker vertreten. Als große Teile Kareliens nach der finnischen Niederlage im zweiten Weltkrieg an Russland abgetreten werden mussten, wurden viele Orthodoxe zwangsweise umgesiedelt und über das Land verteilt. So mussten auch die Mönche aus dem Walaam-Kloster (Finnisch: Valamo) evakuiert werden, das auf einer Insel im Ladogasee gelegen ist; der See liegt nah an der Grenze zu Finnland in heute russischem Gebiet. Walaam war und ist das größte Kloster der finnisch-orthodoxen Kirche und diente im Krieg unter Anderem als Lazaret. Nach der Umsiedlung der Mönche nach dem Winterkrieg gründeten sie allerdings das Kloster Neu-Walaam (Uusi Valamo) auf finnischem Gebiet, das lange Zeit das einzige orthodoxe Kloster in Finnland war. Erst 1989 wurde Walaam restauriert und wird nun wieder als Kloster genutzt.
Die orthodoxe Kirche Finnlands (Suomen ortodoksinen kirkko) ist autonom zum Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel⁵.

Das Christentum hinterließ seine ersten Spuren bereits zur Wikingerzeit (9.-11. Jahrhundert). Durch den Kreuzzug Erich des Heiligen kam die (westliche) christliche Lehre nach Finnland. Die erste Diozöse wurde 1276 in Turku gegründet.
Durch die schwedische Herrschaft wurde in Finnland 1527 die “Reformation von oben” nach dem Reichsstag zu Västerås durchgeführt. Das Geld, das Gustav Wasa durch die Reformation einnahm, half ihm seine Schulden bei der Stadt Lübeck zu begleichen. Die ausführenden Kräfte, die im Interesse von König Johan III und seinem Sohn König Sigmund III arbeiteten, sollten allerdings nicht nur Einfluss auf die Religion nehmen. Unter ihnen befand sich auch Michael Agricola, der in Wittenberg studiert hatte. Er schrieb das erste Buch, das je in finnischer Sprache gedruckt wurde: das Abc-kirja (1534) – und trug daher stark zu den Wurzeln der finnischen Sprache bei. Er übersetzte auch das neue Testament ins Finnische.
Im 17. Jahrhundert – noch unter schwedischem Einfluss – war Finnland nicht säkularisiert, der Staat bildete mit der evanglischen Kirche eine Einheit. Abweichungen von der Norm wurden daher hart bestraft.

Religionsfreiheit gibt es offiziell seit 1869 in Finnland – ermöglicht durch die Freiheiten unter Zar Alexander II., allerdings wurde die Religionsfreiheit erst nach der Unabhängigkeit Wirklichkeit und ist seit 1923 in der Verfassung verankert.

In Finnland hat die Kirche noch einen hohen Stellenwert, auch wenn die Zahl der Gottesdienstbesucher – wie in anderen westlichen Ländern – stark rückläufig ist. Die meisten Finnen gehen nur zu hohen Feiertagen in die Kirche, weniger als 10%³ gehen einmal pro Monat in die Kirche. Allerdings spielt gerade in ländlichen Gebieten die Religion noch eine große Rolle, vor allem als soziales Netzwerk. Hier liegen auch die ‘Hochburgen’ der Erweckungsbewegungen, wie zum Beispiel die des Laestadianismus.

Die derzeitige Verteilung der Konfessionen auf die Bevölkerung (5,3 Millionen²):¹

  • evangelisch-lutherisch 4.400.000 Mitglieder
  • finnisch-ortodox 54.000 Mitglieder
  • Pfingstbewegung 50.000 Mitglieder
  • Zeugen Jehova 17.000 Mitglieder
  • finnische Freikirche 13.000 Mitglieder
  • Katholische Gemeinde 6.000 Mitglieder
  • jüdische Gemeinde 1.100 Mitglieder
  • Islam 1.000 Mitglieder

In den Schulen steht es den Kindern frei zwischen Religion und Ethik zu wählen; in diesem Aspekt ähnelt also das finnische dem deutschen Schulsystem. Im Schnitt betet jeder dritte Finne täglich; über die Hälfte der Finnen gibt an, dass sie hin und wieder einmal beten. Die Kirchensteuer in Finnland beträgt zwischen einem und 2,25%⁴ des Einkommens. Die Staatskirchen werden zusätzlich finanziell vom Staat unterstützt, trotz Säkularisierung. Die Zahl der Anhänger von ‘Minderheitenkirchen’ ist in den letzten Jahren stark gewachsen, was vor allem durch vermehrte Migration zu begründen ist.

Quellen:
¹finn-land.net
²geographixx.de
³state.gov
tilastokeskus.fi</a
ort.fi
Ilta-Sanomat vom 09.04.2009

Sprachlose Gesellschaft

22. August 2009 um 11:07 | Veröffentlicht in Kultur, Sprache | Hinterlasse einen Kommentar
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Eins der gängigsten Klischees über Finnland und Finnen ist die Tatsache, dass geschwiegen wird. Wenn man einen Dialog vermeiden kann, dann tut man es auch und es benötigt eine große Menge Alkohol um Finnen dazu zu bekommen endlich zu reden.
Generell hab ich mich immer bemüht zu sagen, dass man das so ja nun nicht ernst meinen kann und das es – wie jedes Klischee – nur eine Verallgemeinerung ist, die nicht auf alle zutrifft; was ich bisher aus meinen Erfahrungen auch immer so bestätigen konnte.
Allerdings hab ich heute eine so große Menge an non-verbaler – sprich stummer – Kommunikation gesehen, dass ich sagen muss: Ich weiß, woher das Klischee kommt:
Szenario A: Auf der Straße. Eine Frau lässt ihre Sonnenbrille fallen. Ein Mann eilt herbei, hebt sie auf. Er nickt. Sie nickt. Beide gehen getrennte Wege.
Szenario B: An der Supermarktkasse. Die Einkäufe werden registriert. Der Mann legt seine Kreditkarte auf der Kasse ab, die Kassiererin nimmt sie, deutet mit einem Schlenker ihrer Hand auf den angezeigten Betrag auf dem Kassendisplay und guckt nach unten. Dann gibt sie dem Mann einen Stift und den Kassenzettel zum unterschreiben. Der Mann unterschreibt und räumt seine Sachen ein. Die Kassiererin nickt in irgendeine Richtung, der Mann geht.
Szenario C: Im Bus. Männlicher Passagier legt abgezählt das Geld für eine Karte auf die Kasse und guckt aus dem Fenster. Männlicher Busfahrer zählt das Geld, drückt einen Knopf, legt den Fahrschein auf die Kasse und guckt auf sein Lenkrad. Der Passagier nickt einmal in Richtung Fußboden, nimmt sein Ticket und geht in den Bus.

Ich weiß nicht, ob das jetzt daran gelegen hat, dass die Menschen alle nur schüchtern waren, vielleicht sind sie auch einfach nur faul. Eigentlich sind Finnen ja auch immer höflich, so dass man durchaus mal die Worte Danke und Bitte hört. Letztlich kann es aber natürlich auch genau anders sein und man sollte eine Pauschalisierung immer mit Vorsicht genießen, denn:
Szenario D: Beim Kauf einer (elektronischen) Fahrkarte hab ich nämlich heute noch 5 Minuten mit der Dame vom Büro darüber gequatscht, warum ich in Helsinki bin, wie ich es finde und was man in Helsinki alles so machen kann.
Es gibt also auch die andere Seite ;)

Karelische Piroggen

4. August 2009 um 13:50 | Veröffentlicht in Essen, Kultur | Hinterlasse einen Kommentar
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Da ich mich heute an die Eigenproduktion von karelischen Piroggen begebe, hab ich gedacht, ich könte euch das Rezept auch kurz online stellen. Vielleicht möchtet ihr dieses traditionelle, finnische Gericht auch selbst mal versuchen. Ich kann es euch jedenfalls nur empfehlen.

Ihr braucht für eure Piroggen erstmal Folgendes: (dunkles) Roggenmehl, (normales) Mehl, Wasser, Salz, Eier, Milchreis, Milch und Butter


Für den Teig vermischt ihr zu gleichen Teilen Roggen- & normales Mehl mit Wasser und Salz. Ich hab heute etwa einen halben Liter Wasser genommen, es kommt natürlich darauf an, wie viele Piroggen ihr letztlich haben wollt. Daher fangt lieber klein an, Teig nachzuarbeiten ist kein Problem. Denn das Einzige, das man mit diesem Teig machen muss, ist kneten – bis er so richtig schön klebrig ist. Dann stellt ihr ihn in den Kühlschrank.
Für die Füllung müsst ihr Milchreis kochen. Ich habs heute mit 250g Milchreis versucht (+ einen Liter Milch). Den Milchreis kochen und bitte das Salz nicht vergessen. Anschliessend ziehen lassen. Wenn der Milchreis kalt genug(!) ist, gebt ihr ein Ei dazu – für die Bindung der Masse.
Nun habt ihr die zwei Komponenten – jetzt müssen sie nur noch zusammen gefügt werden. Das bedeutet ihr knetet den Teig nochmal richtig durch und rollt dann jeweils kleine Stückchen aus – so groß wie die Grundform eurer Piroggen sein soll. Dann gebt ihr etwas Milchreis-Mischung dazu und faltet die Kanten. Achtet drauf, dass die Kanten nicht abstehen, sondern aufliegen, sonst verbrennen sie sehr schnell. Wenn ihr eure Piroggen nun geformt habt, bestreicht ihr sie noch mit einer Butter-Ei Mischung. (Butter erwärmen, Ei dazu, aber ohne das es stockt.)
Dann müssen die Piroggen noch kurz, für etwa 15-20 Minuten, in den Backofen bei 250°.

Ihr könnt, wenn ihr möchtet, als kleine Zugabe noch 2-3 Eier kochen und diese mit dem Rest Butter verühren. Dann habt ihr “Munavoi”, also Eierbutter, die man ganz hervorragend auf die Piroggen schmieren kann.

Quellen: “Rezeptwoche”
“Heimische Küche”
Rezeptübermittlung beim Backen mit Finnen

Export im negativen Wachstum

4. August 2009 um 11:36 | Veröffentlicht in Allgemein, Nachrichten aus Finnland, Politik | Hinterlasse einen Kommentar
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Der finnische Warenexport leidet unter der Weltwirtschaftskrise. Der Export ins Ausland ist drastisch zurückgegangen. Vergleiche man die Zahlen im Mai mit denen des Vorjahres, so sei der Export um 41% gesunken. Auch der Import nach Finnland selbst sei weniger geworden. Vor allem der Handel mit Russland sei stark geschwächt.




Quelle: yle.fi

Stromverbrauch in Finnland gesunken

4. August 2009 um 11:31 | Veröffentlicht in Allgemein, Nachrichten aus Finnland | Hinterlasse einen Kommentar
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In Finnland wird derzeit weniger Strom verbraucht als zuvor. Der Stromverbrauch ist – im Vergleich zum Juni des Vorjahres – um etwa 10% gesunken. Seit 2006 war der Verbrauch stetig gestiegen.
Vor der Weltwirtschaftskrise hatte man geschätzt, dass der Stromverbrauch in der Zukunft stark ansteigen wird. Nun wurde aber festgestellt, dass diese Prognose falsch war. Es ist möglich, dass die finnische Regierung nun neu plant, wie viel Strom Finnland wirklich verbraucht.


Quelle: yle.fi

Helsinki Calling!

31. Juli 2009 um 14:46 | Veröffentlicht in Allgemein, Sprache | Hinterlasse einen Kommentar
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Die Helsinki Education and Research Area (HERA) hat heute eine neue Website online gestellt, die mehr ausländische Studenten nach Helsinki locken soll.
Ziel des Webportals ist es, Helsinki als Studienregion bekannter zu machen. Es wird vor allem mit dem guten Ruf der finnischen Hochschulen geworben.
Nähere Informationen zu diesem Projekt findet ihr auf der neuen Internetseite studyinhelsinki.fi.

Quelle: helsinki.fi

Parteibild in Finnland gleichbleibend

31. Juli 2009 um 14:33 | Veröffentlicht in Nachrichten aus Finnland, Politik | Hinterlasse einen Kommentar
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Die Unterstützung der Parteien in Finnland hat sich nicht groß verändert.
Eine Wirtschafts- und YLE-Umfrage besagt, dass die nationale Sammlungspartei (Kokoomus) weiterhin die beliebteste Partei ist. 22% der Finnen würden sie derzeit wählen. Das Zentrum und die finnische sozialdemokratische Partei (SDP) liegen bei rund 20%. Die Zentrumspartei ist momentan dennoch beliebter als die SDP.
Bei den kleinen Parteien sind die Zahlen der Grünen, auf etwa 12%, etwas gestiegen.

Quelle: yle.fi

Wohnungspreise gestiegen

31. Juli 2009 um 14:21 | Veröffentlicht in Allgemein, Nachrichten aus Finnland, Politik, Umwelt | Hinterlasse einen Kommentar
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Einem Bericht des Tilastokeskus (- vergleichbar mit dem statistischen Bundesamt -) zu Folge, sind die Wohnungspreise in Finnland angestiegen. Vergleiche man die Zahlen zu Beginn des Jahres mit dem heutigen Stand, so sei eine Steigerung von bis zu 4% in den Monaten April bis Juni zu verzeichnen. Die Preise seien vor allem in der Großstadtregion Helsinki angestiegen, im Vergleich zum Rest des Landes.
Der Quadratmeterpreis in der Region Helsinki liegt derzeit bei etwa 2800€. Im Rest des Landes bezahlt man circa 1500€ pro m².

Quelle: yle.fi

Rock und Schlager in Turku

29. Juli 2009 um 13:26 | Veröffentlicht in Literatur, Musik, Persönlichkeiten | Hinterlasse einen Kommentar
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In Turku hat gestern (Dienstag) das jährliche Stadtfestival “Down by the Laituri” seine Tore geöffnet. Es ist das älteste Festival seiner Art in Finnland.
Bis Sonntag gibt es in Turku eine Vielzahl von Veranstaltungen und Auftritten unterschiedlichster Natur. Über 100 verschiedene Bands und Künstler werden in dieser Zeit vorgestellt. Unter ihnen beispielsweise die New York Dolls (aus den USA). Heute spielen unter Anderem J. Karjalainen und Veli-Matti Järvenpää gemeinsam. Freitag ist großer Schlagertag, an dem auch Paula Koivuniemi und Kari Tapio nicht fehlen dürfen. Zusätzlich zur Musik gibt es beispielsweise einen ‘Dichterklub’.



Hier noch ein kleiner Veranstaltungshinweis: Am 29.10.2009 spielt Jari Sillanpää – eine der Schlagerlegenden des Landes – in Turku. Nähere Informationen findet ihr hier.



Quelle: yle.fi

Geschlechter in der finnischen Sprache

26. Juli 2009 um 00:01 | Veröffentlicht in Sprache | 1 Kommentar
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Die finnische Sprache steht meist exemplarisch für eine geschlechtslose Sprache, was bedeutet, dass die finnische Sprache keine grammatischen Geschlechter aufweist. Zwar gibt es weitere Sprachen, wie zum Beispiel andere uralische Sprachen oder Türkisch, die ebenfalls kein grammatisches Geschlecht besitzen, meist wird aber nur Finnisch als Beispiel genannt. Es steht somit fast prototypisch für Gleichheit in der Sprache und für eine gerechte Verteilung der Geschlechterrollen. Die finnische Politik legt schon seit langem Wert auf die Geschlechtergleichheit per se, so dass das fehlende Geschlecht in der Sprache sogar als Teil einer Ideologie interpretiert werden kann. Dennoch stellt sich vor allem in der feministischen Sprachwissenschaft die Frage nach dem Erfolg der Gleichheit. Kann eine Sprache, in der man sich über verschiedene Geschlechter unterhält, wirklich vollkommen neutral sein oder gibt es vielleicht doch offene oder versteckte Tendenzen der Ungleichheit?

Zuerst einmal muss erklärt werden, was es bedeutet, dass die finnische Sprache kein Geschlecht aufweist: Es gibt im Finnischen keine nominale Klassifikation des Geschlechts. Das bedeutet eine Unterscheidung wie im deutschen zwischen Maskulinum, Femininum oder Neutrum (der, die oder das) erfolgt nicht; ein grammatisches Geschlecht gibt es nicht. Außerdem gibt es im Finnischen auch keine Unterscheidung in den Pronomina. Wo im Deutschen zwischen er und sie unterschieden wird, steht im Finnischen nur hän. Diese beiden Charakteristika bilden die Grundlage für die Annahme, dass die finnische Sprache mit den Geschlechtern sehr gerecht umgeht.

Allerdings gibt es gewisse Formen der Ungleichheit, die schon alleine durch den Kontakt mit anderen Sprachen und deren Geschlechtersystemen entstehen mussten. Beispielsweise gibt es im Finnischen nur weibliche Derivationssuffixe (Partikel, die man an ein Wort anhängt, um ein Neues zu kreieren). So kann man im Deutschen aus dem männlichen einen weiblichen Schriftsteller machen, in dem man ein -in anhängt, eben Schriftstellerin. Dieses Prinzip gibt es auch im Finnischen, so dass man aus Kirjailija [Schriftsteller] Kirjailijatar [Schriftstellerin] macht. Das deutsche -in ist im Finnischen hier ein -tar.

Im Gegensatz dazu gibt es Wörter die immer männlich sind, obwohl sie für beide Geschlechter stehen, sogenannte generisch maskuline Nomen. Das finnische virkamies steht gleichbedeutend für Beamter und Beamte, allerdings bedeutet mies auf Deutsch Mann. Obwohl im finnischen Wort ganz klar ein Geschlecht angegeben steht, wird das Wort virkamies für beide Geschlechter genutzt. Fragt man allerdings die Menschen nach ihrer Einschätzung solcher generischen Wörter, so gibt eine Vielzahl von ihnen an, dass sie virkamies als eher männlich empfinden, obwohl das Wort an sich geschlechtsneutral sein soll.

Um diese Ungleichheiten auszuräumen, haben Linguisten überlegt welche Veränderungen in der Sprache nötig sind, damit die finnische Sprache wieder als gleich betrachtet werden kann. Zuerst hat man sich den generischen Formen zugewandt. So versuchte und versucht man das mies in diesen Wörtern zu ersetzen. Beispielsweise macht man aus virkamies nun lieber einen virkahenkilö. Die deutsche Bedeutung Beamter/Beamte verändert sich dadurch nicht, nur das finnische henkilö heißt im Deutschen nicht Mann sondern Mensch. Einen Wissenschaftler – finnisch: tiedemies – will man daher nun lieber als tutkija oder tieteentekijä bezeichnet sehen. Beide Wörter bedeuten im Deutschen auch Wissenschaftler, haben aber eine geschlechtsneutrale Form: -ja. Andernfalls wurde verlangt, eine weibliche Form einzuführen, wenn schon keine geschlechtsneutrale Form benutzt würde. So wurde der Wissenschaftler (tiedemies) zu einer Wissenschaftlerin: tiedenainen; nainen bedeutet Frau beziehungsweise weiblich. Allerdings sind diese Formen explizit weiblich und können nicht, wie die maskulinen Formen, für beide Geschlechter benutzt werden. Dieser Prozess kann mit dem Prozess der Gleichstellung in der deutschen Sprache verglichen werden, da auch hier oftmals weibliche oder geschlechtsneutrale Formen gefordert und teils auch eingesetzt wurden und werden.

Als ungerecht empfinden manche Linguisten auch den Gebrauch der Pronomen. Sich am Vorbild anderer Sprachen orientierend, hat man überlegt im Finnischen ein weiteres Pronomen einzuführen. Wie zum Beispiel im Englischen, wollte man auch im Finnischen zwischen er und sie unterscheiden können. Manche Autoren und Übersetzer beriefen sich auch darauf, sie können keine Bücher schreiben oder übersetzen, wenn die finnische Sprache nur ein Pronomen biete – so gäb es viel zu viele Stellen in ihren Büchern, an denen nicht eindeutig wäre, wer mit dem hän nun gemeint ist.

Daher wollte man das Pronomen hen für sie einführen. Manche Übersetzungen sind auch schon mit diesem neuen Pronomen entstanden (vgl.: Joyce, James: Ulysses in der Übersetzung von Leevi Lehto). Diese Idee ist nunmehr schon 60 Jahre alt, wird aber immer mal wieder diskutiert. Sie bildet einen starken Gegensatz zu linguistischen Diskussionen in anderen Ländern, in denen überlegt wird, wie man das Pronomensystem vereinfachen könnte. Im Englischen wird beispielsweise schon lange über eine mögliche Vereinfachung von she und her diskutiert. Diesen Neid auf die Pronomen in anderen Sprachen nennt man „pronoun envy“.

Die Einführung des Wortes hen ließ eine gewisse Problematik erkennen: Menschen, die des Englischen mächtig sind, würden im Wort hen automatisch ein Huhn sehen (hen aus dem Engl.: Henne, Huhn, Legehenne) und könnten somit das Wort nicht ernsthaft als weibliches Pronomen nutzen. Zumal sich die Frage stelle, warum hän automatisch das männliche Pronomen sein sollte. Außerdem würden alle Stellen, an denen keine Definition von er oder sie stattfindet oder stattgefunden hat, weiterhin bei hän belassen; eine rückwirkende Änderung in allen schriftlichen Quellen wäre undenkbar. So wirkt hen eher als periphere Erscheinungsform. Daher schließt Tainio: „[Man] behandelt Frauen als Menschen, dessen Geschlecht man markieren muss.“

Denn wird das Geschlecht markiert, ob nun durch hen oder durch -tar oder -nainen, so ist es besonders betont. Diese Betonung kann absichtlich oder zufällig erfolgen, jedoch ist sie immer vorhanden, sobald von den alten beziehungsweise männlichen Formen abgewichen wird. Abschließend lässt sich somit formulieren: „Mann bezieht sich auf einen Menschen, Frau bezieht sich auf einen Menschen mit Geschlecht.“ (Penelope 1991; Engelberg 2001; Braun 2001).



Quelle: Tainio, Liisa: Gender in Finnish language Use: Equal, Inequal and/or Queer? In: Wiener elektronische Beiträge des Instituts für Finno-Ugristik, 2006. (http://webfu.univie.ac.at/inhalt.php)

Finnische Bären

25. Juli 2009 um 22:33 | Veröffentlicht in Umwelt | 3 Kommentare
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Der Bär ist Finnlands größtes Raubtier, aber gleichzeitig auch das Nationaltier des Landes und ein starkes Symbol an sich. Bären waren in Finnland schon immer gefürchtet und gleichermaßen geachtet. Allgemein sind Bären dem Menschen nicht gefährlich.

Bären haben dichtes, braunes Fell und können bis zu 300 Kilo wiegen. Sie fressen Fleich, allerdings gehören zu ihren Speisen auch Beeren, Honig und Fisch. Im Herbst fressen Bären viel, da sie im Winter schlafen. Die Jungen werden im Winterbau geboren, wenn die Mutter schläft. Ein Muttertier kann bis zu vier Jungen haben.

In Finnland gibt es derzeit etwa 800 Bären, die auf dem gesamten Staatsgebiet verteilt sind – mit Ausnahme der Ålandinseln. Sie sind in der freien Natur nicht gefährlich. Menschen verursachen allerdings Gefahren für die Bären, wenn sie die Natur zerstören, so dass die Bären nicht mehr friedlich leben können. Für das Jagen von Bären braucht man eine Genehmigung, allerdings halten sich viele Jäger nicht daran. Im Jahre 2007 wurden etwa 80 Tiere getötet.

Mittlerweile kann man Bären auch in der Nähe von Städten sehen, da sie herausgefunden haben, dass sie im Müll der Menschen leichter Essen finden können. Solche Tiere werden dann “City-Bären” genannt. Auch diese Bären sind normalerweise nicht gefährlich, können aber durch ihre Umwelt verschreckt werden. Wenn Bären böse werden liegt es meist daran, dass die Menschen ihnen (und ihren Jungen) zu nah gekommen sind. In den letzten 100 Jahren gibt es in Finnland nur einen Todesfall, der auf einen Bärenangriff zurückzuführen ist.


Gut zu wissen: pentu – Junges
emo – Mutter(tier)




Quelle: www.yle.fi

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