Wäinö Aaltonen Museum schließt Ausstellung wegen Fälschung
28. Juli 2009 um 00:04 | Veröffentlicht in Allgemein, Nachrichten aus Finnland, Persönlichkeiten | Hinterlasse einen KommentarSchlagwörter: Ausstellung, Bildhauer, Fälschung, Künstler, Kunst, Museum, russischer Avantgardismus
In Turku wurde eine Kunstausstellung geschlossen, in der vielleicht ein Teil der Werke Fälschungen sind. Die Ausstellung “Ympyrä – viiva – piste” (Kreis – Linie – Punkt) des Wäinö Aaltonen Museum wird zumindest kurzzeitig für Besucher geschlossen. Gemeinsam mit Experten prüft das Turkuer Museumszentrum die Echtheit der Bilder.
In der Ausstellung werden russische avantgardistische Werke aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts gezeigt. Bereits zuvor in diesem Sommer wurden 14 Kunstwerke aus der Ausstellung genommen, welche vermutlich Fälschungen waren. Dies geschah auf den Vorwurf des Kunstkritikers Otso Kantokorpi hin, die Ausstellung sei Betrug.
Im Bereich des russischen Avantgardismus wurde äußerst viel gefälscht. Zahlreiche Museen prüfen sehr genau, bevor sie Werke des russischen Avantgardismus in ihre Ausstellungen aufnehmen.
Wäinö Aaltonen (1894-1966), dessen Leben und Werke den Kern des nach ihm benannten Museums bilden, war ein finnischer Bildhauer. In Deutschland lässt sich im Gutenberg-Museum in Mainz eins seiner Werke – eine überlebensgroße Büste von Johannes Gutenberg – bewundern.
Quelle: www.yle.fi
www.wam.fi
Karelien als finnische Ideallandschaft
19. Juli 2009 um 18:10 | Veröffentlicht in Allgemein | 1 KommentarSchlagwörter: Akseli Gallen-Kallela, Architektur, Elias Lönnrot, Eliel Saarinen, Epos, finnisches Nationalmuseum, Geschichte, Jean Sibelius, Kalevala, Karelianismus, Karelien, Künstler, Malerei, Nationalromantik, Ostfinnland, Russland, Volksdichtung
Karelien – das ist das Gebiet welches heute hauptsächlich Ostfinnland und die russische Republik Karelien umfasst – spielte eine bedeutsame Rolle in der nationalen Identitätsfindung Finnlands. In Karelien, so glaubte man, ließen sich die letzten Überreste des Ur-Finnischen finden, noch unbeeinflusst von Schweden. Von den bösen Schweden, zu deren Reich Finnland lange Jahre gehört hatte, musste man sich nämlich abgrenzen.
Die Geschichte Kareliens ist wechselhaft und spannend. Aufgrund seiner Lage war die Landschaft schmerzhaft oft Kriegsschauplatz. Als große Teile nach dem zweiten Weltkrieg der Sowjetunion zufielen, waren viele Menschen gezwungen ihre Heimat zu verlassen.
In diesem Artikel werde ich speziell die kulturelle Bedeutung der nationalromantischen Strömung des Karelianismus (die also Karelien toll fand) Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts anhand von einigen wichtigen Persönlichkeiten aufzeigen. Das sind übrigens ziemlich wichtige Menschen der finnischen Geschichte, auch wenn man sie bei uns kaum kennt.
Der Ursprung des Karelianismus als große Strömung liegt wohl im Werk des Elias Lönnrot. Er war einer derjenigen, die durch entlegene Regionen reisten, um die mündlich überlieferte Volksdichtung aufzuzeichnen, von der es damals, im frühen 19. Jahrhundert, noch einige Überreste gab. Von seinen Sammelkollegen hob er sich deshalb so bedeutsam ab, weil der die Lieder ordnete, ein paar Sachen dazu dichtete und so ein (relativ) einheitliches Epos schuf – das Kalevala. Die erste Version erschien 1835.
Das Werk wurde mit der Zeit so gehyped, dass eine richtige Karelienbegeisterung entstand und allerlei Künstler, Schriftsteller, Volkskundler, Sprach- und Folkloreforscher Pilgerfahrten nach Karelien unternahmen um dort die letzten Reste der „wahren finnischen Kultur“ zu erleben.
Einer von ihnen war der hauptsächlich als Maler bekannte Akseli Gallen-Kallela. Wer einmal das finnische Nationalmuseum in Helsinki besucht hat, konnte dort in der Eingangshalle Deckenfresken von ihm bewundern, die Szenen aus dem Kalevala darstellen. Seine Bilder prägen die Vorstellung von der Welt des Kalevala immer noch stark.
Ein weiterer wichtiger – und eventuell sogar einem breiteren Publikum bekannter – Karelienreiser war der Komponist Jean Sibelius. Einige seiner sinfonischen Dichtungen vertonen Geschichten aus dem Kalevala. Er hörte sich auch den „originalen“ Vortrag der Volksdichtungen an und lies Aspekte der Harmonik, die nämlich noch nicht vom Dur-Moll-System eingenommen war, in seine Werke einfließen. Auf der anderen Seite musste er sich aber auch gegen die Annahme wehren, seine Melodien und Ideen seien allesamt aus der finnischen Volksmusik entlehnt.
Nicht zu übersehen ist die Nationalromantik in der finnischen Hauptstadt. Hier hat sich die Architektur von der traditionellen Architektur Finnlands und Kareliens und außerdem vom Kalevala inspirieren lassen. Der Bedeutendste Vertreter dieser Strömung ist wohl Eliel Saarinen. Von ihm stammen unter anderem der Hauptbahnhof von Helsinki und das finnische Nationalmuseum.
Der bedeutendste Schriftsteller jener Zeit war übrigens Eino Leino, der hierzulande viel zu wenig bekannt ist. In Finnland ist er immer noch einer der beliebtesten Lyriker. Auch Eino Leino hat sich Teils an die kalevalische Dichtung angelehnt.
Zum Abschluss bewundern wir nun noch ein Bild von Koli, einem besonderen Punkt in Karelien, aus. Koli ist ein für finnische Verhältnisse ziemlich hoher Hügel (347 Meter) mit einer besonders schönen Aussicht, von der sich viele Künstler inspirieren ließen und immer noch lassen. Ein Ausflug dahin lohnt sich. Wie am Foto sichtbar, habe ich eher bescheidene Wetterverhältnisse erwischt.

Blick vom Koli
Quelle:
Alho, Olli (Hrsg.): Kulturlexikon Finnland, aus dem Englischen von Gisbert Jänicke, Helsinki. Finnische Literaturgesellschaft. 1998.
Bloggen Sie auf WordPress.com. | Theme: Pool von Borja Fernandez.
Einträge und Kommentare Feeds.